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PortraitNew Wave Of British Heavy Metal: Eine Handvoll Singles....

New Wave Of British Heavy Metal: Eine Handvoll Singles....

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 24. Apr 2016 08:09

New Wave Of British Heavy Metal: Eine Handvoll Singles....


Ein nicht unbedeutendes Phänomen der New Wave Of British Heavy Metal war die große Anzahl von Bands, die ausschließlich Singles oder Maxis im 7" bzw. 12"-Format veröffentlichten, nicht selten als Eigenproduktion im Selbstvertrieb ohne (finanzkräftiges) Label im Hintergrund. Von professionellem Management und ähnlichen Nebensächlichkeiten mal ganz zu schweigen. In erster Linie regierten Idealismus und Spaß an der Musik, geschäftliche oder wirtschaftliche Aspekte waren da eher störend und interessierten (meistens) erst mal nicht weiter...

Natürlich gab es auch genügend Bands, die von Anfang an zielgerichteter agierten (Iron Maiden, Saxon, Def Leppard etc.) und es dementsprechend weiter brachten, da sie schon frühzeitig durch sinnvolle geschäftliche Schachzüge (Plattenverträge mit größeren, umtriebigen Labels sowie gute Managementdeals) hinreichend abgesichert waren, sehr schnell voll durchstarteten und sich gewissermaßen als Zugpferde der NWOBHM etablieren konnten.

Andere versuchten es auch auf diesem Wege (Tygers Of Pan Tang, Samson, Diamond Head, Angel Witch, Witchfynde und und und...), blieben aber trotz günstiger Ausgangsbedingungen und guter Single-sowie LP-Veröffentlichungen letztlich in der zweiten Reihe kleben, weil sie sich die Zukunft durch fragwürdige respektive unkluge geschäftliche Entscheidungen, zwischenmenschlichen Streß, Streitereien oder musikalische Fehlentwicklungen verbauten. Manchmal auch alles zusammen.

Hier soll es indes um jene Bands gehen, die nie wirklich vorwärtskamen. Noch nicht einmal zeitweise. Von denen gibt es nämlich so einige im Umfeld der NWOBHM. Völlig obskure Truppen, die es nie zu einer vollständigen LP und größerer Aufmerksamkeit brachten. Die bisweilen nur eine einzige 7"-Single zustande bekamen, möglichst noch als auflagenschwache Privatpressung oder bei irgendeinem nicht minder obskuren Hinterhof-Label herausgebracht. Fatalerweise sind da oftmals - natürlich nicht immer - richtige musikalische Perlen dabei, die es problemlos mit den großen der Zunft hätten aufnehmen können.

Also jene Art von Singles und Maxis, die fanatischen Sammlern und notorischen Trüffelsuchern Schweißperlen auf die Stirn treiben und aufgrund ihrer Seltenheit in den entsprechenden Kreisen heute gesucht und vor allem teuer sind.

Wer das Geld nicht hat oder ausgeben will bzw. einfach nur die Musik genießen möchte ohne dabei den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens zu verfrühstücken (und auch damit leben kann, nicht die ultraseltene Originalauflage zu besitzen), dem sei empfohlen sich mal im Backkatalog des rührigen deutschen High Roller-Labels umzusehen.

Dieses fantastische Label, welches ausschießlich von echten Idealisten, Liebhabern und Metal-Lunatics betrieben wird, lizensiert nämlich seit Jahren skurrile NWOBHM-Raritäten und macht verschollen geglaubte Aufnahmen aus diesem Bereich zugänglich, die mit überarbeitetem Artwork und oft in Form einer Kompilation (also die einzigen ein oder zwei offiziellen Singles einer Band auf einem Album zusammengefasst und zusätzlich ergänzt durch bisher unveröffentlicht gebliebene Demos, Livemitschnitte oder Outtakes) herausgebracht werden. Da sind bisweilen Dinger dabei, die einem sogar als ausgewiesener Kenner der Materie bislang völlig unbekannt waren. Auch ich habe da schon so manche überraschende Entdeckung gemacht und ich beschäftigte mich nun auch schon weit mehr als 25 Jahre mit der NWOBHM.

Aber gut, auf die umtriebigen High Roller-Leute wollte ich in diesem Zusammenhang nur am Rande hinweisen. Auf jeden Fall eine sehr interessante und stets sehr liebevoll umgesetzte, vor allem bezahlbare Variante dieses ohnehin außerordentlich ergiebigen Themas. Nebenbei: Nicht nur High Roller nehmen sich der Sache an, es gibt da mittlerweile auch noch andere spezialisierte Firmen die ihre Sache sehr gut machen. Aber High Roller fallen mir immer als erstes ein, da sie wirklich eine der besten und aktivsten auf diesem Gebiet sind.

Und glaubt mir: Es ist für ein solches Label nicht immer ganz einfach, an Informationen über eine Band zu gelangen, die vor 35 Jahren mal eine Single herausgebracht hat und längst nicht mehr existiert. Da müssen ex-Mitglieder ausfindig gemacht werden, dann stellt sich heraus dass der Gitarrist seit Jahrzehnten nicht mehr mit dem Drummer spricht, weil der ihm mal die Freundin ausgespannt hat. Obendrein handelt es sich um Engländer, also meistens etwas spleenig und eigenwillig, somit eh nicht ganz einfach im Umgang.

Am Ende müssen etliche Leute ihr Einverständnis geben zu einer Neuveröffentlichung des früheren Materials und ob die Originalbänder dann noch in einem guten, verwertbaren Zustand sind bzw. überhaupt noch auffindbar, ist wiederum eine ganz andere Frage. Oder ob jemand anderes, vielleicht ein anderes Label, die Rechte daran hält. Und Geld sehen wollen die oftmals zerstrittenen Herren ja auch, ganz zu schweigen davon ob man sie überhaupt alle an einen Tisch bekommt. Da lauern soviele Fallstricke, dass man die mühevolle Kleinstarbeit solcher Labels gar nicht hoch genug bewerten kann.

Lustigerweise kommt es bisweilen sogar vor, dass manche der alten Combos aufgrund des neu entfachten Interesses an ihren alten Veröffentlichungen wieder Morgenluft wittern und sich reformieren bzw. aus ihren Kellerproberäumen wieder hervorgekrochen kommen. Ob das immer sinnvoll ist, wäre eine zweite Frage, aber bisweilen - nicht immer - kann es durchaus ein spaßiges Erlebnis sein, wie manche engagierten Liveauftritte älterer Herren auf traditionellen Metalfestivals (damit meine ich nicht Kommerz-Wacken, sondern eher speziellere Veranstaltungen wie Keep It True, Headbangers Open Air, Hell Over Hammaburg, Bang Your Head, Sweden Rock oder ähnliche) zeigen, die bisweilen zum ersten Mal in ihrem Leben, 35 Jahre nach Veröffentlichung ihrer originalen Singles oder Maxis, die Gelegenheit haben doch noch mal in Deutschland (oder anderswo in Europa) aufzutreten.

Befassen wir uns also mal mit so einigen der gesuchten Raritäten:

Da wären zum Beispiel Apocalypse. Nach einem selbstvertiebenen Demo, schlicht "Demo ´81" betitelt, veröffentlichte die talentierte Truppe ein Jahr später die 7" "Stormchild" über Gate Records. Das war zu einem Zeitpunkt als Iron Maiden mit "The number of the beast" gerade auf einem wesentlich höheren Level so richtig in die Vollen gingen. Das hört man natürlich auch, denn dagegen klingt "Stormchild" ziemlich hemdsärmelig nach Garagenproduktion, dumpf und pappig. Was aber natürlich nichts über die Musik aussagt, denn die war auf "Stormchild" super: Der Titeltrack bot treibenden, hochmelodiösen Heavy Rock mit typischem NWOBHM-Feeling. Der düsterere B-Seiten-Track "Chosen few" überraschte mit progressiveren Strukturen und zunächst getragenenen, fast schon episch anmutenden Passagen, die sich später in Härte und Geschwindigkeit deutlich steigern. Das eigentliche Highlight dieser Single !

1983 benannten sich Apocalypse in Omega um und veröffentlichten unter diesem Namen zwar keine Singles, dafür aber tatsächlich sogar eine volle LP, die jedoch kaum jemand kennen dürfte. Diese erschien unter dem Titel "The Prophet" 1985 und bot im Prinzip eine Fortsetzung der "Chosen few"-Richtung. Episch-melodischer Heavy Rock-/Metal mit progressivem Ansatz, mittlerweile durch Keyboards ergänzt. Ein richtig gutes Album, leider auch das einzige von Omega, aber es soll auf jeden Fall an dieser Stelle auch Erwähnung finden.

Rhabstallion waren durch ihre frühe Gründung 1976 praktisch noch Prä-NWOBHM und entstanden in Huddersfield aus den Rudimenten mehrerer lokaler Bands. Man schaffte es zunächst sogar, einen Song ("Chain reaction") auf dem NWOBHM-Sampler "New Electric Warriors" (1980) von Logo Records unterzubringen, wo man sich in illustrer Gesellschaft von anderen hoffnungsfrohen Bands wie Vardis, Silverwing, Turbo, Buffalo oder Oxym befand. Siehe auch: bands-interpreten-f40/new-wave-british-heavy-metal-sampler-t141.html. Dadurch ermutigt brachte man 1981 die selbstproduzierte Single "Day to day" heraus, die absolut hochkarätig war. Die Band tourte wie verrückt und tat alles um sich selbst zu promoten, aber es nütze nichts - niemand sprang darauf an, erstrecht keine vernünftige Plattenfirma. Es wurde sogar im gleichen Jahr noch eine weitere Single eingespielt, die jedoch nie das Licht der Welt erblickte und gar nicht erst gepresst wurde. Man krebste noch etwas herum und löste sich dann Mitte der 80er Jahre frustriert auf.

Ein Spätzünder dagegen waren Virtue, die ihre erste und einzige Single "We stand to fight" erst im Jahre 1985 herausbrachten (auf Other Records). Zwar war der Sound eher dünn und somit mäßig, aber musikalisch wurde gutklassiger Brit-Metal geboten. Schnell, treibend und mit kommerziellem Potenzial sowie ausgesprochen starken Gitarren. Die B-Seite "High treason" war noch stärker. Aber auch hier wurde es nichts mit einem Plattenvertrag und heute ist das Teil eine der gesuchtesten NWOBHM-Raritäten überhaupt.

Ein ganz besonderes Highlight sind Triarchy, deren "Save the khan"-Single bereits 1979 veröffentlicht wurde und die - ein Novum unter den damaligen Metalbands - ganz selbstbewußt Synthesizer zum Einsatz brachten, mit denen sie auch umgehen konnten wohlgemerkt. Das war schon mal ein Alleinstellungsmerkmal par excellence, auch wenn es ihnen letztlich nichts eingebracht hat. Musikalisch war die Band eigentlich aber auch kein purer Heavy Metal / NWOBHM, sondern durchaus noch deutlich vom 70er Jahre Hard-und Heavy Rock geprägt und auch sehr melodiös ausgerichtet. Mit "Metal Messiah" erschien 1980 noch eine zweite, etwas härtere Single, die ansonsten genauso stark ausfiel. Hier sei nochmals auf High Roller Records verwiesen, die 2014 das "Save the khan"- und "Metal messiah"-Material auf einer CD-Kompilation nebst etlicher Bonustracks und rarer Outtakes wiederveröffentlicht haben. Diese Kompilation trägt ebenfalls den Titel "Save the khan" und besitzt ein überarbeitetes Artwork, welches sich aber stark an jenem der ursprünglichen Single orientiert.

Ganz obskur sind auch Truffle, die erst 1981 gegründet wurden (in Portsmouth) und bereits 1982 ihre 7" mit dem Titel "Round tower" als Privatpressung herausbrachten. Musikalisch war das ganze zwar melodiös und mit Hang zur Epik, aber aufgrund der eher progressiven Strukturierung trotzdem nicht unbedingt eingängig. Der eher ruhige, getragene Titeltrack erstreckte sich über 8 Minuten, der B-Seiten-Track "If you really want" tendierte in eine ähnliche Richtung. Definitiv aber eine der interessantesten Veröffentlichungen aus dem NWOBHM-Bereich.

Ein ganz beliebtes Thema unter NWOBHM-Afficionados sind auch Jameson Raid, die mit ihrer Gründung 1977 ebenfalls zu den frühen NWOBHM-Vertretern zählten. Die Band war spieltechnisch exzellent und erarbeitete sich schnell einen guten Ruf als hervorragende Liveband. Bereits 1979 erschien via GBH Records die legendäre Debüt-Single "Seven days of splendour", deren drei Songs kernig inszenierten, typischen NWOBHM-Sound boten, der aber auch durch akustische Einsätze und psychedelische Elemente aufgelockert wurde. Das gute Renommee dieser Band kommt nicht von ungefähr. Mit "The Hypnotist" folgte 1980 noch auf Blackbird Records eine ähnlich gute Single, bevor man das Handtuch warf.

Auch die 1980 ins Leben gerufenen Bashful Alley konnten auf ihrer 82er "Running blind-"Single mit prototypischem, rauem britischen Heavy Rock-/Metal überzeugen, der kurz zuvor ein Demo vorangegangen war. Zwei Songs dieses Demos wurden dann etwas später für besagte Single benutzt. Eine Besonderheit der Single war, dass sie 1982 bei zwei verschiedenen Labels herauskam (zum einen bei Ellie Jay Records als auch bei Graffiti Records). Die Versionen unterschieden sich in erster Linie durch eine geringfügig abweichende Farbgestaltung des Covers.

Ebenfalls ein veritables Glanzlicht sind Bleak House. Eine meiner absoluten Favoriten-Truppen wenn es um die NWOBHM geht. Diese Band hätte den Durchbruch unbedingt verdient gehabt, da besteht überhaupt kein Zweifel. Ein absoluter Jammer, dass diese Band nie "entdeckt" wurde! Eine der vom Potenzial her umwerfendsten Gruppen, die auf der britischen Insel jemals das Licht der Welt erblickt haben. Leider blieb es bei zwei 7"-Singles, die über Buzzard Records veröffentlicht wurden. Die erste hieß "Rainbow warrior" und erschien 1980, die zweite, "Lions in winter", kam 1982. Die Band hatte es geschafft, einen komplett eigenständigen und unwiderstehlichen Stil zu kultivieren, der von hochmelodischem Gesang, teilweise melancholisch anmutenden Melodielinien und harten Gitarrenriffs lebte sowie Anspruch mit Griffigkeit verband.

Pali Gap gehören auch zu jenen Gruppen bei denen man traurig ist, dass man nie die Chance bekam mehr zu hören als die 82er Single "Under the sun", die auf Synister Records erschien. Rauer, aber eingängiger Metal der gut ins Ohr geht war das Metier der Truppe, über die nicht allzuviel bekannt ist. Die B-Seite "The knives are out" geht in die gleiche Richtung, ist aber deutlich schneller.

Hammerhead, Ende der 70er Jahre gegründet, brachten zu Anfang ebenfalls zunächst ein Demo zustande, welches bereits 1978 erschien. Dem folgte mit gewissem zeitlichem Abstand 1981 die 7"-Single "Time will tell". 1984 kam in Form eines weiteren Demos dann nochmal ein kleiner Nachschlag, bevor die Band erstmal getrennter Wege ging. Musikalisch guter, kraftvoller britischer Heavy Metal, der Einflüsse von Judas Priest und Black Sabbath erkennen läßt. Seit einiger Zeit ist die Gruppe wieder aktiv und hat es seitdem sogar zu zwei richtigen Longplayern gebracht ("Headonizm", 2005 und "The sin eater", 2015), welche durchweg hörenswert sind. Mit dermaßen großen zeitlichen Pausen zwischen einzelnen Veröffentlichungen und zeitweiliger Auflösung läßt sich natürlich nicht von einer kontinuierlichen Karriere sprechen, aber das was sie heute machen tun sie definitiv aus Spaß an der Freude und auch hier haben High Roller Records maßgebliche Unterstützungsarbeit und Motivationshilfe geleistet.

Ein cooler Haufen waren auch Paralex, die nicht ohne Grund zu den Lieblingen von Metallicas Lars Ulrich zählen, seines Zeichens großer NWOBHM-Fan. Paralex wählte er auch für den von ihm zusammengestellten Sampler "NWOBHM ´79 Revisited" Anfang der Neunziger Jahre aus, welcher auch aus heutiger Sicht eine hervorragende Übersicht über die gesamte NWOBHM bietet, seinerseits mittlerweile leider aber ebenfalls vergriffen (und gesucht) ist. Ursprünglichen brachten Paralex zu Lebzeiten ihre einzige 12"-Maxi "Travelling man" 1980 beim Birminghamer Mini-Label Reddingtons Rare Records heraus, eigentlich viel mehr ein sehr umtriebiger Plattenladen mit angeschlossenem Kleinstlabelbetrieb. Die drei auf der Maxi vertretenen Songs boten wunderbar kantigen, kraftvollen, typisch englischen Früh-80er-Heavy Metal.

Neben den bereits erwähnten Rhabstallion gehörten auch Oxym zu den Protagonisten, die 1980 auf dem in diesem Zusammenhang ebenfalls bereits kurz angesprochenen "New Electric Warriors"-Sampler von Logo Records vertreten waren (mit dem Stück "Hot Rain"). Die aus Rochdale in der Nähe von Manchester stammende Band konnte als ungefähres britisches Pendant zu Rush durchgehen, war insofern also eher im weiteren Sinne dem Heavy Metal / der NWOBHM bzw. deren progressiv orientiertem Zweig (wie auch Shiva oder Chasar) zuzurechnen. Die superbe, dem Samplerbeitrag folgende, einzige Single "Music Power" erschien bei Cargo Records 1980 und zeigte intelligent konstruierte Tempiwechsel und andere filigrane Details, welche die Band von anderen abhoben. Mehr passierte dann aber leider auch nicht mehr.

Bei Mendes Prey handelte es sich ebenso um ein Juwel der Extraklasse (zu NWOBHM-Zeiten existierten davon ja so einige), welches auch zunächst mit einem Sampler-Beitrag startete ("What the hell´s going on" auf "HM Heroes vol.II", 1982). Siehe ebenfalls: bands-interpreten-f40/new-wave-british-heavy-metal-sampler-t141.html. Wenig später im gleichen Jahr erschien mit der selbstproduzierten 7" namens "On to the Borderline" ein echtes Sahnestück und die Band sah sich durchaus auf einem guten Weg. Der Durchbruch wäre angesichts der Klasse des Songmaterials zu dieser Zeit, um 1982/83 herum, durchaus noch zu schaffen gewesen! Stattdessen versiebte man es und anschließend passierte nicht mehr viel. Erst nach vier Jahren Pause konnte man sich 1986 zu einer weiteren selbstfinanzierten Single mit dem Titel "Wonderland" aufraffen, aber die konnte überhaupt nicht begeistern und fiel eindeutig zu belanglos und kommerziell aus, um noch irgendwas reißen zu können.

Eine kuriose Randerscheinung waren Mayday aus Birmingham, die allerdings eindeutig zum AOR-lastigen Flügel der NWOBHM gehörten. Also ähnlich wie auch die Praying Mantis, nur waren die doch noch um einiges kerniger und energischer, vor allem kompositorisch sehr viel stärker unterwegs. Mayday klangen im Vergleich wesentlich zahnloser und banaler und nervten zudem mit wirklich ganz entsetzlichen, quietschig-penetranten Keyboardsounds, die nach 80er Jahre-Computerspiel klangen. Ansonsten war das Ganze im Bereich ultraeingängiger AOR-/Pomp Rock-Songs beheimatet, die in ihren besseren Momenten minimal an Magnum an einem schlechten Tag erinnerten und eher bieder und wenig nach Heavy Metal klangen. Der Sound der einzigen Single "Day after day" (1980) war auch nicht das Gelbe vom Ei, obwohl immerhin Mick Hopkins von den NWOBHM-Kollegen Quartz auf dem Produzentenstuhl gesessen hatte. Veröffentlicht wurde die 7" übrigens auch beim legendären Reddingtons´Rare-Minilabel.

Ein ungleich stärkerer Geheimtip waren dagegen Hollow Ground, die über Guardian Records ihre einzige Single "Warlord" (1980) releasten. Für den kultigen Guardian-Sampler "Roksnax" (1980) durfte man gleich vier (!) Songs beisteuern - bands-interpreten-f40/new-wave-british-heavy-metal-sampler-t141.html - und während dieser Aufnahmesession spielte man noch zwei zusätzliche Stücke ein, die zusammen mit zweien der für den Sampler bestimmten Songs für die besagte "Warlord"-Single verwendet wurden. Die Single gab es nur in Kleinstauflage von etwa 500 Exemplaren, einen Großteil davon ohne richtiges Cover, was sie heute entsprechend wertvoll und gesucht macht. Auch musikalisch gehört die ganze Chose zu den wertvollsten Veröffentlichungen der NWOBHM und bedient einen ungefähren stilistischen Bereich zwischen dem Sound der frühen Def Leppard und Siebziger-Hardrock der Marke Led Zeppelin & Co.

Bei Raw Deal handelte es sich um eine Truppe, über die auch in NWOBHM-Insiderkreisen eher wenig bekannt ist. In so manchen Verzeichnissen taucht sie gar nicht erst auf. Und das, obwohl sie ihre einzige Single "Lonewolf" (B-Seite: "Take the sky") 1981 sogar beim für die NWOBHM unermeßlich wichtigen, wegweisenden Neat-Label veröffentlichten. Allerdings war der eher durch Bands wie Free geprägte, herkömmliche Blues- und Boogielastige Heavy Rock vermutlich einfach eine Spur zu hausbacken und unspektakulär, so dass die Gruppe nie größere Beachtung fand.

Das wären jetzt mal so einige der wichtigsten, aber längst nicht alle Einzel-Singleveröffentlichungen aus dem schier unerschöpflichen Reservoir der NWOBHM und ihrer zahlreichen obskuren bis obskursten Vertreter, von denen jeder seinen eigenen Klang besaß und seinen ureigenen Beitrag zu dieser Bewegung leistete, die sich in viele stilistische Bereiche harter Rockmusik verästelte. Wie gesagt: Die Bezeichnung NWOBHM ist letztlich nur ein Sammelbegriff und die Gemeinsamkeiten bestehen in erster Linie in der Hingabe zur Musik, der britischen Herkunft bzw. dem typisch britischen Klang und der aus dem Punk entlehnten Do-it-yourself-Attitüde. Dieses Thema ist ein sehr weites und ergiebiges Feld, welches mich heute immer noch mit der gleichen Leidenschaft, Liebe und Begeisterung erfüllt wie zu Anfang.




Wichtige Singles






Apocalypse - "Stormchild" (1982) Bild


Rhabstallion - "Day to day" (1981) Bild


Virtue - "We stand to fight" (1985) Bild


Triarchy - "Save the Khan" (1979) Bild


Truffle - "Round Tower" (1982)
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Jameson Raid - "Seven days of splendour" (1979)
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Bashful Alley - "Running blind" (1982) Bild


Bleak House - "Rainbow warrior" (1980) Bild


Pali Gap - "Under the sun" (1982) Bild


Hammerhead - "Time will tell" (1981)
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Paralex - "Travelling man" (1980) Bild


Oxym - "Music Power" (1980)
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Mendes Prey - "On to the Borderline" (1982) Bild


Mayday - "Day after day" (1980) Bild


Hollow Ground - "Warlord" (1980) Bild


Raw Deal - "Lonewolf" (1981) Bild






Bilder





Mendes Prey Bild


Triarchy Bild


Jameson Raid Bild


Paralex Bild


Bleak House Bild


Apocalypse Bild


Virtue Bild


Pali Gap Bild
"Nazi sein bedeutet, dass du verloren hast, bevor du anfängst. Du kannst nicht gewinnen. Du bist nur dumm."(Lemmy)

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