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PortraitNew Wave Of British Heavy Metal: Sampler & Co.

New Wave Of British Heavy Metal: Sampler & Co.

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 6. Okt 2015 11:35

New Wave Of British Heavy Metal: Sampler & Co.


Mehr als die meisten anderen Subgenres der Rockmusik war die NWOBHM ein in sich geschlossenes System, welches viele Dinge in Eigenregie erledigte.

Konzerte wurden selbst organisiert und viele andere Dinge auf direktem Wege, ohne Zwischenstationen, auf die Beine gestellt. Singles wurden selber gepresst und im Klein- bis Kleinstvertrieb an den Mann gebracht, etliche Mini-Labels auf mehr oder minder professioneller Basis aus dem Boden gestampft. Mit der NWOBHM und ihren Bands entwickelte sich zumindest in der Anfangszeit ein zunächst autonomes Gegenstück zum großen Musikgeschäft mit seinen Majorlabels und sonstigen Businessverpflichtungen. Ein reichhaltiger Mikrokosmos, der zumeist ungestört gedeihen konnte.

Die NWOBHM stellte einen echten Underground-Prototypen dar. Vergleichbare Entwicklungen waren zur damaligen Zeit höchstens noch in der Punk- und Hardcore-Szene zu finden, mit der man zumindest diesbezüglich dann doch mehr gemein hatte, als viele Metal-Musiker gerne zugeben wollten.

Das hatte - wie alles im Leben - Vor- und Nachteile. Manches war schlau, anderes weniger. Was auf jeden Fall immer stimmte, waren der unbezwingbare Idealismus und Spaß sämtlicher Beteiligten. Aber darum soll es hier nicht gehen.

Nicht nur die zahlreichen, nahezu unüberschaubaren 7"-/12"-Single-Veröffentlichungen mehr oder weniger obskurer Bands auf noch obskureren Labels, die teilweise zu heute extrem gesuchten und teuer zu bezahlenden Raritäten mutiert sind, machen dabei das alleinige Salz in der ganzen Suppe aus.

Sehr interessant sind auch die diversen Kompilationen, welche in unterschiedlichsten Zusammenstellungen vor allem in der Frühphase der NWOBHM, also zwischen 1979 und 1982, auf den Markt geworfen wurden und heute ebenso gesucht sind (allerdings, bis auf wenige Ausnahmen, zumeist halbwegs bezahlbar geblieben).

Diese Sampler möchte ich hier im Kurzdurchlauf vorstellen. Ich habe mich dabei auf die wichtigsten und bekannteren Sampler der damaligen Szene beschränkt, denn hochgradig obskure Platten wie etwa der "Scene of the crime"-Sampler haben aufgrund ihrer Minimal-Auflage nur eine so geringfügige Verbreitung gefunden, das man sie erst einmal unberücksichtigt lassen kann. Das gilt auch für einige Sampler, die nur auf Tape veröffentlicht wurden und so gut wie nicht zu finden sind.

Ergänzend muß ich noch hinzufügen, dass man die Kompilationen zumeist in drei ungefähre Kategorien einteilen kann:

Kategorie A umfasst Sampler von Kleinst-Labels, die zumeist neue bzw. unbekannte Bands vorstellten.

Kategorie B betrifft Sampler von Major-Firmen, auf denen meist Bands vertreten waren, die bereits eigenes Vinyl veröffentlicht und / oder in der Szene einen Namen hatten.

Kategorie C behandelt Sampler, auf denen Material zweitverwertet wurde, das bereits anderweitig auf Single oder LP
veröffentlicht worden war. Diese Sampler waren eher als Geldmacherei zu sehen, allerdings tauchten gelegentlich dann
doch mal rarere Stücke oder B-Seiten Tracks auf.

Sehr schön ist auch die optisch oftmals charmante, liebenswert hemdsärmelige Gestaltung der Plattencover. Alleine deswegen teilweise schon sammelwürdig.


Die Sampler


"Heavy Metal Heroes" (Heavy Metal Records, 1981, LP)

Bands: Twisted Ace, Grim Reaper, Jaguar, Soldier, Bitches Sin, Metal Mirror, Handsome Beasts, Buffalo,
Expozer, Split Beaver, Dragster, Witchfinder General

Fazit: Die allererste Veröffentlichung von Heavy Metal Records überhaupt! Diverse der beteiligten Bands haben
später noch LPs herausgebracht und es sind etliche Songs auf dem Sampler vertreten, die es nur hier gibt!

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"Heavy Metal Heroes, vol.2" (Heavy Metal Records, 1982, LP)

Bands: Lionheart, Shiva, Pallas, Mendes Prey, Mantle-Swallow-Palmer, Overkill, Jess Cox, Twisted Ace, No Faith,
Witchfinder General, Persian Risk, No Quarter

Fazit: Teil 2 enthält einige neue Bands und superskurrile Gruppen wie Mantle-Swallow-Palmer.
Jess Cox, ex-Sänger der Tygers Of Pan Tang, ist mit gleich zwei Bands vertreten: Einmal Solo und einmal als Frontmann von Lionheart.
Mit Pallas und Shiva sind auch Gruppen aus dem progressiveren NWOBHM-Abteil dabei. Erstere gehörten etwas später zu den ersten Neo-Prog-Bands im Dunstkreis von Marillion & Co.

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"New Electric Warriors" (Logo Records, 1980, LP)

Bands: Turbo, Buffalo, Streetfighter, Stormtrooper, Tarot, Bastille, Oxym, Dawnwatcher, Vardis, Silverwing,
Rhabstallion, Colossus, Jerediah Strut, Warrior, Kosh, Race Against Time

Fazit: Eines der geilsten Artworks der gesamten Metal-Geschichte: Eine grüne Kawasaki auf einer Kuhwiese,
davor ein Typ mit Klampfe auf dem Rücken und im Hintergrund drei vermummte, Luftgitarre spielende
Gestalten...unübertroffen ! Musikalisch viel obskures dabei, von Jerediah Strut, Kosh oder Race Against
Time hat man nie wieder was gehört. Alleine deswegen schon habenswert.

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"Metal for Muthas" (EMi, 1980, LP)

Bands: Iron Maiden (2x), Sledgehammer, EF Band, Toad The Wet Sprocked, Praying Mantis, Ethel The Frog,
Angel Witch, Samson, Nutz

Fazit: Sowas wie die Mutter aller NWOBHM-Sampler. Teilweise rarer Stoff, den es so nur hier gibt. Dieser Sampler steht in unmittelbarer Verbindung zu Kult-DJ Neal Kay, der viele der neuen Bands in seinem "Soundhouse" entdeckt und gefördert, sowie einen rückseitigen Begleittext zum Sampler verfasst hat.

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"Metal for Muthas, vol.2" (EMi, 1980, LP)

Bands: Trespass (2x), Eazy Money, Xero, White Spirit, Dark Star, Horsepower, Red Alert, Chevy, The Raid

Fazit: Teilweise noch seltsamere (dabei aber meist sehr gute) Bands als auf Teil 1. Von einigen Teilnehmern hat man später nur noch wenig bis fast nichts mehr gehört (Horsepower, Red Alert). Trespass hatten wie Iron Maiden auf dem ersten Teil das Privileg, als einzige Band mit zwei Songs gefeatured zu werden. Umso erstaunlicher, dass die Entwicklung beider Bands so grundlegend verschieden verlief. Maiden schossen durch die Decke, während (die progressiveren) Trespass in der Versenkung verschwanden, obwohl sie zum besten gehörten, was die NWOBHM zu bieten hatte. Aber Gerechtigkeit hat es auch und gerade im Musikbiz nur selten gegeben.

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"Muthas Pride" (EMi, 1980, 12" Maxi)


Bands: Wildfire, Quartz, White Spirit, Baby Jane

Fazit: Sollte der letzte Sampler aus der "Metal for Muthas"-Reihe werden; es reichte aus unerfindlichen Gründen aber nicht mehr für eine komplette LP, sondern nur noch für eine 4-Track-Maxi. Das vertretene Material ist ohne Fehl und Tadel, von der Band Baby Jane hat man aber sowohl vorher als auch danach nichts mehr gehört. Somit dürfte es das einzige Tondokument dieser Gruppe überhaupt sein.

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"Roxcalibur" (Guardian Records, 1982, LP)


Bands: Black Rose (2x), Brands Hatch (2x), Battleaxe (2x), Satan (2x), Marauder (2x), Unter Den Linden (2x), Skitzofrenik (2x)

Fazit: Das Besondere ist, dass sich jede Band mit zwei Songs präsentieren durfte. Mit Satan und Battleaxe sind echte Hochkaräter vertreten, mit den rätselhaften Unter Den Linden (was für ein Name) und Skitzofrenik (dito) allerdings auch zwei Bands, die weniger Metal, sondern eher Normalo-Rock/Punk sind.

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"Roksnax" (Guardian Records, 1980, LP)

Bands: Samurai (4x), Hollow Ground (4x), Saracen (4x)

Fazit: Noch schrulliger erscheint der "Roksnax"-Sampler, weil hier nur drei Bands insgesamt vertreten sind,
dafür aber jede von ihnen mit jeweils vier Songs ! Eine solche Kombination dürfte auch ihresgleichen suchen. Schon alleine deshalb interessant, weil sich jeder Hörer so ein viel repräsentativeres Bild von den Bands verschaffen konnte. Hollow Ground brachten später noch eine 7"-Single heraus, während über Samurai und Saracen nichts weiter bekannt ist, denn Achtung: Es handelt sich bei beiden NICHT um die gleichnamigen NWOBHM-Bands, die später bei Ebony Records zwei LPs herausbrachten!

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"Metal Maniaxe" (Ebony Records, 1982, LP)

Bands: Uncle Sirus, Mad Avenue, Chateaux, Madame Guillotine, Omun, Menace, Tröjan, Fallen Angel,
Miraj, Angel Underground, Cry Wolf, Stranger, Emerald.

Fazit: Ganz netter Sampler, aber keineswegs ausschließlich mit Hard & Heavy-Bands bestückt, auch wenn der Titel das suggeriert. Merkwürden. Na ja, zumindest Uncle Sirus, Chateaux und Tröjan bieten bestes NWOBHM-Kraftfutter.

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"Lead weight" (Neat Records, 1981, LP)

Bands: Raven, White Spirit, Venom, Axe, Blitzkrieg, Aragorn, Fist, Axis, Bitches Sin, Warrior,
Satan´s Empire.

Fazit: Neat waren das mit Abstand wichtigste und umtriebigste Indie-Label für die NWOBHM und wohl auch
jenes mit den professionellsten Bedingungen im Vergleich zu anderen Kleinfirmen. Raven und Venom
konnten mittels dieses Samplers durchaus brauchbare Erfolgsgeschichten lostreten, auch bei
Bitches Sin oder Blitzkrieg reichte es für die eine oder andere LP. Bei anderen langte es später immerhin
noch für einige Singles oder Maxis. Es sind sogar von diversen Bands einige Non-LP-Tracks vertreten,
die nur hier auftauchen. Dieser Sampler gehört zu den echten Sternstunden.

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"Brute force" (MCA, 1980, LP)

Bands:
Diamond Head, Fist, Raven, Prowler, Sledgehammer, Colin Towns, Mick Underwood, White Spirit, Quartz,
Xero, Cryer, May West.

Fazit:
Ein Major-Sampler, der mit Diamond Head, Fist, Sledgehammer, White Spirit , Raven oder Quartz sehr
interessante Bands enthält, die damals teilweise auch schon Singles / Maxis oder ganze LPs veröffentlicht
hatten. Prowler und May West waren hier erstmals zu hören und vermutlich auch letztmals.
Mit Mick Underwood und Colin Towns kamen bemerkenswerterweise auch zwei Mitglieder aus der Band von
Ian Gillan zum Zuge, die hier ihre Soloprojekte vorstellten.

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"Metal Explosion" (BBC Records, 1980, LP)


Bands: Samson, Praying Mantis, Trespass, Taurus, More, Money, Gillan, Angel Witch

Fazit: Immer wieder beachtlich, wie viele Bands bei wie vielen verschiedenen Labels auf Samplern auftauchten. Davon ab eine sehr schön besetzte Kompilation. Sogar Gillan fanden ihren Weg auf den Sampler. Das zeigt, wie dicht der gute Ian Anfang der 80er an der NWOBHM dran war bzw. wie sehr auch "ältere" Hardrock-Künstler daran partizipieren konnten und einen zweiten Frühling erlebten.

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"NWOBHM ´79 revisited" (Caroline Records, 1990, Doppel-CD)


Bands:
Diamond Head (2x), Sweet Savage, Saxon, White Spirit, Raven, Paralex, Def Leppard, Weapon, Samson,
Hollow Ground, Girlschool, Witchfynde, Iron Maiden, Jaguar, Tygers Of Pan Tang, Gaskin, Sledgehammer,
Venom, Angel Witch, Trespass, Holocaust, Vardis, Blitzkrieg, Dragster, A II Z, Witchfinder General,
Black Axe, Fist, Praying Mantis.

Fazit: Erst spät (1990) und lange nach der NWOBHM erschienen, erfüllte dieser dennoch sehr gut gemachte Sampler eher den Zweck einer Retrospektive, um die Erinnerung an die NWOBHM und die aus ihr hervorgegangenen Bands wachzuhalten und möglichst einer nachgewachsenen Generation Metalheads nahezubringen bzw. deren musikalisches Geschichtsbewußtsein zu schärfen. Hinter der ganzen Aktion steckten Metallica-Drummer Lars Ulrich, seines Zeichens bekennender NWOBHM-Afficionado und der Musikjournalist Geoff Barton, der für das "Sounds" und später die daraus hervorgegangene Heavy Metal-Fachzeitschrift "Kerrang!" geschrieben hatte - ebenfalls ein profunder NWOBHM-Kenner, der die Szene seit ihren Anfangstagen begleitet hatte. Beide wählten die vertretenen Bands und Songs persönlich aus, wobei es Lars Ulrich gelang, seine besonderen Buddies Diamond Head gleich zweimal unterzubringen. Einer der besten Sampler, der in der Tat einen hervorragenden Überblick über die NWOBHM-Periode bietet, aber trotz der späten Geburt heute auch schon eine Rarität!

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