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REZENSIONAerosmith - "Rock in a hard place" (1982)

Aerosmith - "Rock in a hard place" (1982)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 27. Mär 2017 20:09

Aerosmith - "Rock in a hard place" (1982)


Dieses ist ohne Zweifel ein in Fankreisen nicht sonderlich wohlgelittenes Album und auch die Band möchte sich wohl nicht so gerne an die Scheiblette erinnern. Sicherlich sind da auch Egos und Eitelkeiten im Spiel, schließlich entstand das Album in einer sehr schwierigen Phase:

Die Band war seinerzeit quasi in Auflösungserscheinungen begriffen, Steven Tyler schwer drogenabhängig.

Die Gitarristen Joe Perry und Brad Whitford, beide ebenfalls Identifikationsfiguren der Gruppe, glänzten durch Abwesenheit und waren durch Jimmy Crespo und Rick Dufay ersetzt worden.

Und das einst in den 70ern so wild lodernde kreative Feuer war mittlerweile auch nur noch einer verhaltenen Glut gewichen.

Insofern wäre es also auch vermessen, bei "Rock in a hard place" von einer vergessenen Perle zu sprechen. Es hat seine Gründe, warum die Scheibe genau das NICHT ist. Allerdings ist es auch alles andere als fair, die Platte mit Nichtbeachtung zu strafen, denn so mies ist sie beileibe ebenfalls nicht.

Man muß sogar eher sagen, angesichts der widrigen Umstände ist der Band ein kompaktes und überraschend stringentes Album geglückt, welches sicherlich nicht so schlecht ist wie es oft dargestellt wird.

Wobei "Rock in a hard place" ganz klar nicht gerade eine der inspiriertesten Veröffentlichungen der Band darstellt und entsprechend nicht jeder Song ein Volltreffer ist, aber das versteht sich wahrscheinlich von selbst.

Dass Steven Tylers Gesangsleistung stellenweise für seine Verhältnisse unterirdisch ist, nämlich kraftlos und schwachbrüstig, dürfte indes nicht verwunderlich sein wenn man bedenkt, dass man es zu diesem Zeitpunkt mit einem Drogenwrack zu tun hatte, welches bis in die Haarwurzeln Heroin- und Kokainabhängig war.

Dennoch können die spielerischen Leistungen der restlichen Bandmitglieder, allen voran die der beiden damals neuen Gitarristen, aber auch das solide, fantastisch eingegroovte Rhythmusfundament von Tom Hamilton und Joey Kramer, einige dieser Schwachpunkte bis zu einem gewissen Grad kompensieren.

Eines wird allerdings trotz diverser (verzeihbarer) Schwächeleien deutlich: Solange Aerosmith ihre Lieder selber schrieben und das kreative Zepter in eigener Hand behielten anstatt es an kommerzielle Songwriter abzugeben, klangen sie stets bodenständiger, rauer und gefährlicher.

Das war ein Erbe ihrer großartigen 70er-Alben und verlieh selbst kompositorisch eher schwachen Songs auf RIAHP immer noch einen gewissen Charme, welcher dann der geglätteten (aber immens erfolgreichen) Version der Band ab Ende der 80er komplett abging.

Ich höre mir lieber zehnmal am Stück RIAHP an, als auch nur eines der lahmen Mainstream-Alben ab "Permanent Vacation" (1987). Die "alten" Aerosmith haben selbst in ihren schwächsten Momenten mehr Arsch getreten, als die "neuen" Aerosmith in ihren besten.

Und so finden sich auch auf "Rock in a hard place" immer noch ein paar verdammt gute Nummern. Der geile, völlig unterbewertete Groove-Rocker "Bitch´s Brew" zum Beispiel, das kernig treibende "Lightning strikes", die fantastisch gelungene, lässige Ella Fitzgerald-Coverversion "Cry me a river" oder der feiste Titeltrack.

Auch wenn ansonsten nicht jeder Song ein kompositorischer Volltreffer ist, so wirkt die Platte dennoch einheitlich wie aus einem Guß und atmet noch unzweifelhaft den alten Aero-Geist. Wie gesagt, nicht das ultimative Juwel für Perlentaucher, aber doch deutlich besser als ihr Ruf und auf jeden Fall zu gut, um in Vergessenheit zu geraten.


Die Songs

1."Jailbait" - 4:38
2."Lightning Strikes" - 4:26
3."Bitch's Brew" - 4:14
4."Bolivian Ragamuffin" - 3:32
5."Cry Me a River" - 4:06
6."Prelude to Joanie" - 1:21
7."Joanie's Butterfly" - 5:35
8."Rock in a Hard Place (Cheshire Cat)" - 4:46
9."Jig Is Up" - 3:10
10."Push Comes to Shove" - 4:28


Die Band

Steven Tyler (Gesang)
Tom Hamilton (Bass)
Rick Dufay (Gitarre)
Jimmy Crespo (Gitarre)
Joey Kramer (Schlagzeug)


Bild
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