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REZENSIONDeep Purple - "The house of blue light" (1987)

Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 21. Okt 2016 11:24

Deep Purple - "The house of blue light" (1987)


"The house of blue light" ist für mich immer so ein bißchen ein Parabeispiel dafür, wie man es besser nicht machen sollte.

Die legendäre Mk.II-Besetzung hatte sich Kraft des sensationellen Comebackalbums "Perfect strangers" 1984 wieder mit Macht ins Kollektivgedächtnis der Hardrockwelt zurückgebeamt und ein höchst gelungenes Werk vorgelegt, welches den klassischen Deep Purple-Sound auf elegante und äußerst stimmige Weise in die 80er Jahre transportierte.

Die Jungs hatten der gesamten Musikwelt würdevoll gezeigt, dass sie auch im Zeitalter des Heavy Metals noch absolut konkurrenzfähig waren, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren.

Und genauso hätte es anschließend auch weitergehen können, stattdessen kam aber ziemlich schnell wieder Sand ins Getriebe.

Die alten Streithammel Ritchie Blackmore und Ian Gillan bekamen sich - wenig überraschend - wieder in die Haare und hatte man diese Egoprobleme auf dem Vorgänger zugunsten der Bandraison noch in den Griff bekommen, traten sie während der Arbeiten zum Nachfolger wieder drastisch in den Vordergrund.

Die Band wurde zwischen den ewigen Zwistigkeiten erneut zerrieben und gleichzeitig entluden sich die Spannungen diesmal auch nicht in besonders energiegeladenen Darbietungen, wie es früher noch oftmals der Fall gewesen war.

Der kreative Prozess schien deutlich unter den Umständen zu leiden, denn das Songwriting spuckte diesmal nur wenig erhebendes aus. Das meiste blieb im Mittelmaß stecken und man verließ sich wohl auch ein wenig zu sehr darauf, einfach das Erfolgsrezept von "Perfect Strangers" nochmal zu kopieren: Einige der Songs des "The house of blue light"-Albums klingen eher wie Überbleibsel und Resteverwertung aus den Sessions zum Vorgänger.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die absolut lauwarme Produktion, die reichlich dünn und drucklos daherkommt und auch viel zeittypische 80er Jahre-Kälte mitschwingen läßt.

Das beeinträchtigt natürlich auch jene Songs etwas in ihrer Gesamtwirkung, die eigentlich gelungen sind:

Da wären zum Beispiel der Opener "Bad Attitude" oder "Hard lovin´woman", zwei erstklassige Stücke, die auch auf "Perfect strangers" keinesfalls negativ aufgefallen wären. Wie gut diese beiden Stücke wirklich sind, merkt man eigentlich erst so richtig, wenn man sich das 88er Livealbum "Nobody´s perfect" zu Gemüte führt, auf dem diese Lieder auch vertreten sind und zwar in wesentlich organischerem Bühnensound. Dort kommt die eigentliche Klasse dieser beiden Stücke erst wirklich zur Geltung.

Beiträge wie "The unwritten law" oder "Strangeways" sind und bleiben dagegen einfach ziemlich unspektakuläre Durchschnittsnummern und es gibt auch richtig blasse Schnarcher, wie zum Beispiel das merkwürdige, bluesige "Mitzi Dupree" sowie gar Tracks, an die man sich nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr erinnert, weder im positiven noch im negativen Sinne. Selbst Blackmore oder Lord können nur verhältnismäßig wenige Akzente setzen.

Richtig inspiriert wirkt "The house of blue light" jedenfalls nicht und die Scheibe gehört trotz mancher guter Ansätze mit Sicherheit nicht zu den unverzichtbaren Highlights im Purple-Katalog, dazu erscheint sie einfach zu zahnlos und bemüht sowie insgesamt nicht sonderlich zielführend.

Das Niveau der großen Alben aus dem Hause Purple wird jedenfalls kaum oder nur an wenigen Stellen erreicht und es zeigt sich mehr als deutlich, dass die Band sich selbst im Weg stand und nicht in der Lage war, an die Klasse von "Perfect Strangers" kontinuierlich anzuknüpfen.


Die Songs

1. Bad Attitude – 4:43
2. The Unwritten Law – 4:34
3. Call of the Wild – 4:50
4. Mad Dog – 4:29
5. Black and White – 3:39
6. Hard Lovin' Woman – 3:24
7. The Spanish Archer – 4:56
8. Strangeways – 5:56
9. Mitzi Dupree – 5:03
10. Dead or Alive – 4:42


Die Band

Ian Gillan (Gesang)
Roger Glover (Bass)
Ritchie Blackmore (Gitarre)
Jon Lord (Orgel, Keyboards)
Ian Paice (Schlagzeug)


Bild
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Re: Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Ungelesener Beitrag#2von ORACLE » 23. Okt 2016 10:29

Mit dieser Scheibe habe ich mich von meiner DP-Begeisterung abgenabelt.
Es kam noch eine schwächere Scheibe mit Joe Lynn Tuner, dann war Schluß.
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Re: Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Ungelesener Beitrag#3von AusDemWegIchBinArzt » 23. Okt 2016 19:40

ORACLE hat geschrieben:Mit dieser Scheibe habe ich mich von meiner DP-Begeisterung abgenabelt.
Es kam noch eine schwächere Scheibe mit Joe Lynn Tuner, dann war Schluß.



Ja, die "Slaves and masters", die teilweise eher wie ein Überbleibsel aus der Rainbow-Phase mit Turner klang. Aber schwächer als "House of the blue light" finde ich die nicht unbedingt. Eher genauso schwach, auf dem gleichen Level. :mrgreen:
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