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REZENSIONDef Leppard - "On through the night" (1980)

Def Leppard - "On through the night" (1980)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 14. Okt 2016 12:00

Def Leppard - "On through the night" (1980)



Ich finde es ja bisweilen ein wenig amüsant, wie verzweifelt Joe Elliott und seine Def Leppard-Mannen seit vielen Jahren bemüht sind, den NWOBHM-Stallgeruch loszuwerden, der die Band zumindest in ihren Anfangstagen umwehte:

Def Leppard seien angeblich nie eine Heavy Metal-Band gewesen, läßt man da unter anderem verlauten. Man hätte schon damals nicht verstanden, weshalb die Band zur NWOBHM gerechnet worden sei und überhaupt wäre man von Anfang an eindeutig eher durch Sachen wie David Bowie, Queen oder Mott The Hoople beeinflußt worden, als durch Deep Purple oder Black Sabbath.

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, die Band betrachte es mehr oder weniger als Stigma, mit der NWOBHM und ihren Bands in einem Atemzug genannt zu werden.

Was auch immer die Band zu dieser merkwürdigen Selbsteinschätzung und Vergangenheitsverleugnung treibt, ich halte es zumindest in Bezug auf ihre ersten beiden Alben "On through the night" (1980) und "High´n´dry" (1981) für völlig absurd.

Wenn "On through the night" kein Heavy Metal- bzw. NWOBHM-Album sein soll, was bitte dann ? Das hat mit schöngeistigen Klängen a´la David Bowie oder anspruchsvollem Pomp a´la Queen nun wirklich weniger als nichts zu tun, die Band zelebriert dort einen lupenreinen, rifflastigen Hard´n´heavy-Sound, wie er typischer gar nicht sein könnte.

Und das im Übrigen auf sehr hohem, ansprechendem Niveau. Es gibt also absolut nichts, dessen man sich im Nachhinein schämen müßte. Das kompositorische Niveau ist für ein Debüt-Album überragend hoch und vor allem überraschend ausgereift, die Instrumentalarbeit und die teilweise wirklich eleganten Melodieläufe sind erstklassig ausgetüftelt.

Natürlich hatten die Stücke Zeit zum Reifen gehabt, denn wie auch bei etlichen anderen Bands der NWOBHM waren sie schon in den späten Siebzigern enstanden: Def Leppard wurden 1977 in Sheffield gegründet und hatten bereits 1979 in Eigenregie eine EP herausgebracht, auf der die Urversionen von Songs wie "Rocks Off" oder "The Overture" zu hören waren, sich somit also über 2, 3 Jahre entwickeln konnten bevor sie auf dem offiziellen LP-Debüt landeten.

Sicherlich ist es daher auch kein Wunder, dass die Band bereits frühzeitig die Chance bekam, bei einem großen Label unterzukommen, nämlich Phonogram. Def Leppard avancierten aus dem Stand mit ihrem Debüt zu einer der führenden Gruppen der NWOBHM, da kann Joe Elliott behaupten was er will. Es ist auch heute noch mehr als offensichtlich.

"On through the night" ist also ein starkes, raues und dennoch melodiöses Hardrock / Heavy Metal-Album mit mehr als eindeutigem NWOBHM-Bezug, das läßt sich an keiner Stelle wegdiskutieren und um das zu begreifen, muß man sich bloß kernige Granaten wie "Rock Brigade", "It could be you", das knallharte "Satellite", "Wasted" oder eben "Rocks Off" anhören - die Scheibe ist voll mit solchen Nummern, die aber jede für sich auch selbstverständlich ihren Wiederkennungswert besitzt. Also keine Durchschnitts-oder Dutzendware.

Und unter diesen bereits bärenstarken Songs gibt es sogar noch herausstechende Stücke, wie die Übernummer "When the walls came tumbling down" oder die völlig kitschfreie, etwas komplexere Halbballade "The Overture", bei der später noch die Post abgeht und die wirklich die Sonne im Herzen aufgehen läßt. Ganz groß ! Selbst das im Verhältnis kommerziellere, eher einfach strukturierte "Hello America" verbreitet einfach nur tierisch gute Laune und galoppiert flott voran.

Das sind alles Songs, an welche die Band sich eigentlich zwingend erinnern MÜSSTE und die sie bei ihren heutigen Konzerten nicht ignorieren, sondern unbedingt ins Live-Programm wieder aufnehmen SOLLTE, anstatt halbgares Geschwurbel über Elton John und Mott The Hoople von sich zu geben und peinliche Klamotten zu tragen.

Wenn Def Leppard einfach mal ehrlich und aufrichtiger wären, könnten sie voller Stolz (eigenlich benutze ich dieses Wort überhaupt nicht gerne, aber hier scheint es mir angebracht. Mir fällt gerade auch kein besseres ein.) auf diese Vergangenheit zurückblicken und ganz souverän einfach mal wieder einen Set spielen, der nur aus "On through the night"- und "High´n´dry"-Material besteht.

Dann würde man sie eventuell auch wieder ernster nehmen und vielleicht würde man sie sogar mal auf einem richtigen Heavy Metal-Festival (nein, ich meine nicht das Kommerz-Event Wacken, wo sich Leute in lächerlichen Kostümen drei Tage im Schlamm wälzen und nicht mal den Namen der Band kennen, die gerade auf der Bühne steht) mit einer solchen Setlist abfeiern, z.B. auf dem "Headbangers Open Air" oder dem "Keep It True".

Der Authentizität der Sheffielder Institution würde das irgendwie ganz gut tun und es würde auch mal jüngeren Fans ins Bewußtsein rücken, wie geil diese Truppe mal war und dass Def Leppard nicht nur aus "Hysteria" und "Ich-wär-so-gerne-David-Bowie"-Geblubber bestehen.

Für mich gehört "On through the night" ohne jede Frage in die Riege der besten Heavy Metal-Debütalben aller Zeiten und es ist mir wirklich mehr als rätselhaft, warum man das in der Band offenbar nicht wahrhaben will.

Dank "Hysteria" mutierte die Band dann später zwar zeitweise zu einem überlebensgroßes Gesamtkunstwerk mit schrecklichen, steril tönenden und tanzbaren Plastik-Pop-Glam-Metal-Alben wie eben "Hysteria", die sich meilenweit von den Wurzeln entfernt hatten und im Prinzip bis heute dafür sorgen, dass die Band finanziell ausgesorgt hat, aber mit dem Ursprungssound und der Qualität ihrer Frühwerke hatte das absolut nichts mehr zu tun.

Heutzutage versuchen Def Leppard sich musikalisch zwar wirklich irgendwo zwischen Bowie, Queen, T-Rex, AC/DC, den Beatles und Mott The Hoople zu positionieren, aber seien wir mal ehrlich: Selbst wenn man der Band zugute hält, sich weiterentwickelt zu haben - wirklich authentisch wirkt das nicht unbedingt und vor allem sind sie längst nicht mehr in der Lage, wirklich große Songs zu liefern.

"On through the night" hingegen ist randvoll damit. So gut wie in den ersten Jahren ihrer Karriere und auf den ersten 3 Alben sind Def Leppard später nie wieder gewesen.

Die druckvolle, aber eher ungeschliffene Tom Allom-Produktion (der Mann war u.a. auch für Judas Priest und andere NWOBHM-Bands tätig) paßt wie die Faust aufs Auge zur damaligen Musik der Band und liegt mir persönlich viel mehr als der überperfekte, glattpolierte Larger-Than-Life-Sound der späteren Arbeiten von Mutt Lange.

Auf "On through the night" passen alle Parameter hervorragend zusammen, die Band agiert aggressiv und hat Biss. Auf dieses Album lass´ ich absolut nichts kommen und es enthält auch keinen wirklichen Füller, nahezu jeder Song ist ein überzeugendes Qualitätsprodukt.


Die Songs

1. Rock Brigade – 3:09
2. Hello America – 3:27
3. Sorrow Is a Woman – 3:54
4. It Could Be You – 2:33
5. Satellite – 4:28
6. When the Walls Came Tumbling Down – 4:44
7. Wasted – 3:45
8. Rocks Off – 3:42
9. It Don’t Matter – 3:21
10. Answer to the Master – 3:13
11. Overture - 7:44


Die Band


Joe Elliott (Gesang)
Rick Savage (Bass)
Steve Clark (Gitarre)
Pete Willis (Gitarre)
Rick Allen (Schlagzeug)


Bild
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