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REZENSIONEthel The Frog - "Ethel The Frog" (1980)

Ethel The Frog - "Ethel The Frog" (1980)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 30. Sep 2016 13:44

Ethel The Frog - "Ethel The Frog" (1980)


Und wieder mal ein Album, welches das einzige Lebenszeichen seiner Schöpfer bleiben sollte und dennoch so gut geraten ist, dass ich mich in aller Ergebenheit davor nur immer wieder verneigen kann.

Die Band mit dem sympathisch-originellen, absolut (Metal-)klischeefreien Namen stammte aus Kingston-upon-Hull und wurde bereits 1976 gegründet, ehe sie als entsprechend frühe Vertreter mit dem ersten Schwung der NWOBHM ans Tageslicht gespült wurden.

Das 1980 veröffentlichte, selbstbetitelte Debüt-Album geriet dann von einer solch atemberaubenden Qualitätsdichte, dass sich auch fast 40 Jahre später beim Anhören noch unweigerlich eine zentimeterdicke Gänsehaut auftürmt, die vom ersten bis zum letzten Ton der Scheibe konstant bestehen bleibt.

Die Jungs durften ihr einziges Album sogar ohne die üblichen Umwege über unfähige Hinterhof-Pimmelfirmen direkt beim (damaligen) Major EMi veröffentlichen, was natürlich zu der berechtigten Frage führt, weshalb es angesichts dieser guten Ausgangslage nichts mit der Karriere wurde. Denn mit dem finanzstarken Label sowie erstklassigem Songmaterial und guten Musikern hatte man wirklich alle notwendigen Trümpfe im Gepäck.

Das Besondere an diesem Spitzenalbum war vielleicht auch gleichzeitig der Grund fürs Scheitern, denn die Musik war hörbar stark in den 70ern und sogar späten 60ern verwurzelt und eindeutig eher melodischer, stellenweise auch strukturell leicht progressiv angehauchter Hardrock aber viel weniger Heavy Metal, als die Zurechnung zur NWOBHM-Szene Glauben machen möchte.

Sicherlich dynamisch und kraftvoll inszeniert, von daher schon verständlich, aber keinesweg vergleichbar mit Kollegen wie Iron Maiden, den Tygers Of Pan Tang, Angel Witch oder Saxon, die es deutlich heavier krachen ließen und es von daher vermutlich auch einfacher hatten, die Gunst der Fans zu bekommen, denen Ethel The Frog trotz Achtungserfolgen vermutlich zu unspektakulär und altbacken klangen.

Härterekorde oder irgendein aufgesetztes Image gibt es hier nicht zu bewundern - aber definitiv brilliante, handgemachte harte Rockmusik hörbar britischer Herkunft, mit Melodien zum Niederknien.

Das NWOBHM-Signet als Überschrift dokumentiert hier eigentlich wieder mal nur höchst eindrucksvoll, wie stilistisch vielfältig und unterschiedlich die Bands agierten, die sich darunter versammelten. Aber dazu habe ich mich ja schon des Öfteren geäußert, das will ich an dieser Stelle nicht noch einmal machen.

Das druckvoll produzierte und dennoch angenehm natürlich und luftig klingende Album zeigt seinen 60ies/70ies-Bezug nicht nur in den zahlreichen Melodielinien oder dem charmanten, unaffektierten Gesang von Doug Sheppard, sondern auch in der fulminant gelungenen Coverversion des Beatles-Klassikers "Eleanor Rigby", welcher eine neue, energische Frische verliehen bekommt und dennoch die Magie des Originals nicht verrät.

Bei "Fire bird" wird verspielt-verschachtelter, tendenziell leicht progressiver Hardrock geboten, "Fight back" geht straight und mit kraftvollem Drive nach vorne. Weitere Anspieltips: "Apple of your eye", "Bleeding heart", "Whatever happened to love" oder der harte Boogie "Staying on my mind" - allesamt tolle Songs mit einer unbeschreiblichen Aura.

Eine Platte mit ganz eigenem Charme. Herrlich altmodischer Hardrock unterm NWOBHM-Siegel; eigensinnig, eingängig, virtuos und dennoch stets songdienlich dargeboten, abwechslunsgreich. Fast ausnahmslos herausragendes Material mit nur wenigen kleinen und verzeihbaren Längen / Schwachstellen.

Gitarrist Paul Tognola und Drummer Paul Conyers versuchten nach dem frühzeitigen Zerfall von Ethel The Frog mit der stilistisch ähnlich gearteten, aber etwas härteren NWOBHM-Truppe Salem weiterzumachen - mit noch weniger Erfolg.

Jeder Rockmusikfreund mit Geschmack sollte sofort zuschlagen, wenn ihm die LP irgendwo begegnet. Es lohnt sich.


Die Songs

1. Eleanor Rigby (Beatles-Cover)
2. Apple of Your Eye
3. Staying on My Mind
4. You Need Wheels
5. Bleeding Heart
6. Fight Back
7. Don't Do It
8. Why Don't You Ask
9. Whatever Happened to Love
10. Fire Bird


Die Band

Doug Sheppard (Gesang, Gitarre)
Paul Tognola (Gitarre)
Terry Hopkinson (Bass)
Paul Conyers (Schlagzeug)


Bild
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