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REZENSIONAC/DC - "Fly on the wall" (1985)

AC/DC - "Fly on the wall" (1985)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 25. Okt 2016 10:09

AC/DC - "Fly on the wall" (1985)


Man kann als Rezensent nicht immer nur Lobhudeleien verfassen. Das wäre ja langweilig. Es gibt auch traurige Fälle, über die gesprochen werden muß - sozusagen als Salz in der Review-Suppe. Und bei "Fly on the wall" handelt es sich um ein typisches Beispiel dafür.

Vielleicht würde es etwas zu hoch greifen, die Scheibe als schwächstes AC/DC-Album aller Zeiten zu bezeichnen, obwohl ich jahrelang genau dieser Ansicht war. Aber eines der schwächsten ist es fraglos, da gibt es eigentlich auch nichts zu diskutieren.

Ich bin bekanntlich der Ansicht, dass die Essenz von AC/DC mit dem bedauerlichen Tode von Bon Scott begraben wurde und ich persönlich brauche keine AC/DC-Scheibe ohne Bon Scott.

So durchschlagend, packend und hoch infektiös ist ihre Musik danach nie wieder gewesen. Allenfalls auf "Back in black", dem ersten Album ohne Bon, haben die Australier es noch gebacken bekommen, das alte Niveau wenigstens halbwegs zu halten und wahrscheinlich lag das sogar daran, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil des darauf verwendeten Songmaterials noch zu Bons Lebzeiten entstanden war.

Sicherlich gab es auch in späteren Jahren immer mal wieder vereinzelt starke Songs, aber es war am Ende doch nicht mehr die gleiche Band, obwohl die maßgeblichen Parameter äußerlich weitgehend unverändert schienen.

Die Wucht, die unbändige, rotzige Energie, der Dreck unter den Fingernägeln, die Uneitelkeit, die Einzigartigkeit von Bon Scotts Gesang und noch viel mehr, all das verschwand allmählich aus dem Sound von AC/DC. Alles wurde eine Prise glatter, mainstreamisierte sich fast unmerklich, wich einer zumindest temporären, routinierten Belanglosigkeit.

Das war alles nicht wirklich mies, aber der Witz und die ursprüngliche Ungestümheit waren weg.

Zudem wurde die Band in den 80er Jahren auch durch diverse persönliche Krisen gebeutelt, angefangen natürlich mit dem Tod von Bon. Zusätzlich erschwerten die Alkoholprobleme von Malcolm Young die Zusammenarbeit, der sich bekanntlich einige Jahre später auch vorübergehend in eine Entziehungskur begeben mußte.

Und last but not least hatte Drummer Phil Rudd aufgrund diverser Probleme 1983 die Band verlassen müssen und war durch den Briten Simon Wright (zuvor u.a. bei den NWOBHM-Combos A II Z und Tytan) ersetzt worden, der immerhin bis 1990 Mitglied der Band blieb und anschließend u.a. bei Dio und UFO landete.

Das ganze Drumherum war bei AC/DC zu dieser Zeit also gewissen Turbulenzen unterworfen und gleichzeitig lief der kreative Motor zunehmend auf Sparflamme, die Band wirkte mehr und mehr ausgebrannt.

Bereits nach "Back in Black" hatte man beobachten können, wie das Niveau der folgenden Platten jeweils um ein weiteres deutliches Stück absackte, bis bei "Fly on the wall" dann der endgültige Tiefpunkt erreicht war. Mit den seligen Bon Scott-AC/DC hatte das alles nur noch sehr wenig zu tun.

"Fly on the wall" bietet ultraschwaches Schmalspursongwriting und wirkt an keiner Stelle auch nur annährend inspiriert. Lichtblicke sind so gut wie keine auszumachen. Die damaligen Kritiker sahen das ähnlich und gaben dem Album überwiegend schlechte Noten und leider hat auch die Zeit daran nichts ändern können. Man muß ihnen nach wie vor zum Großteil recht geben: Das Album ist und bleibt äußerst blass und AC/DC sind dort nichts weiter als ein
armseliger Schatten ihrer einstigen Größe.

"Fly on the wall" besitzt überhaupt keine Power und dümpelt lustlos vor sich hin, es gibt so gut wie keine Momente, die einen aufhorchen lassen. Die Songs sind zum Großteil beliebig geraten, bestenfalls im Durchschnittsbereich anzusiedeln. Der pappige, dumpfe und dünne Klang besorgt dann den Rest, um die Scheibe gnadenlos durchfallen zu lassen. Es handelt sich um ein zerrissenes, gequält wirkendes Machwerk ohne jeden Esprit.

Ich wüßte nicht einmal, auch nur irgendeinen Song positiv hervorzuheben. Egal ob der Titeltrack, die merkwürdige (todlangweilige und zähe) Singleauskopplung "Sink the pink", "Shade your foundations" oder welches Stück dieses, gemessen an seiner Schwäche, mit zehn Stücken viel zu langen Albums auch immer: Mittelmaß ist das höchste, was hier erreicht wird, aber wirklich positiv überzeugend und nachhaltig im Ohr bleibt so gut wie nichts.

Dieser künstlerische Offenbarungseid war ein völliger Schuß in den Ofen und des Namens AC/DC überhaupt nicht mehr würdig. Lahmer, kraftloser Rentner-Hardrock ohne zündende Ideen, mehr nicht.


Die Songs

1. Fly on the Wall – 3:43
2. Shake Your Foundations – 4:10
3. First Blood – 3:40
4. Danger – 4:22
5. Sink the Pink – 4:14
6. Playing with Girls – 3:44
7. Stand Up – 3:53
8. Hell or High Water – 4:31
9. Back in Business – 4:22
10. Send for the Man – 3:26


Die Band

Brian Johnson (Gesang)
Cliff Williams (Bass)
Angus Young (Gitarre)
Malcolm Young (Gitarre)
Simon Wright (Schlagzeug)


Bild
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Re: AC/DC - "Fly on the wall" (1985)

Ungelesener Beitrag#2von ORACLE » 25. Okt 2016 23:02

Es liegt wohl an meiner musikalischen Erweckungsphase aber ich mochte Fly on the Wall.
Ist ja kein Wunder, ich kannte damals noch nix anderes von AC/DC.
Simple, eingängige Hardrocksongs mir einfachen Melodien, es gibt schlimmere Musik.
Ich sollte mich aber endlich mal um die echten Klassiker kümmern.
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Re: AC/DC - "Fly on the wall" (1985)

Ungelesener Beitrag#3von AusDemWegIchBinArzt » 26. Okt 2016 02:49

Ich kannte Mitte der 80er zunächst auch nichts anderes als AC/DC, war ja schließlich meine erste "richtige" Hardrockband (wie bei so vielen).

Dummerweise bin ich aber mit den Bon Scott-AC/DC sozialisiert worden, denn das erste Album das ich kannte war "Let there be rock", obwohl das damals auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte. Und das war folglich dann die Meßlatte.

Natürlich war mein Bewußtsein damals noch nicht so stark ausgeprägt wie heutzutage und ich hätte bestimmte Eindrücke nicht so differenziert und dezidiert analysieren können wie heute - wer kann das als Kind schon - aber dass mir die Sachen mit Brian Johnson generell meist weniger zusagten als die mit Bon Scott, konnte ich auch zu jener Zeit schon erkennen. :D
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