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REZENSIONIron Maiden - "Powerslave" (1984)

Iron Maiden - "Powerslave" (1984)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 29. Mai 2016 11:55

Iron Maiden - "Powerslave" (1984)

1984 waren Iron Maiden ganz weit oben angekommen. Aus den Anfängen der NWOBHM nach und nach herausgewachsen, waren sie zur größten Heavy Metal-Band der Welt mutiert und befanden sich weiterhin auf Expansionskurs. Nicht nur in Europa befand sich die Band in der Erfolgsspur, nein, mittlerweile begegnete man ihr weltweit. Der amerikanische und kanadische Markt war eingenommen, ebenso war die Band in Teilen des Ostblocks, in Asien und sogar bis hin nach Australien ein Begriff. Und das wohlgemerkt, ohne den eigenständigen Metalsound zugunsten vordergründiger Kommerzialität geopfert zu haben.

Die pausenlose Plackerei mündete im Jahreszeitraum 1984/85 in der bis dato größten, gigantischsten und kräftezehrendsten Tournee überhaupt, der "World Slavery Tour", die im Zuge des "Powerslave"-Albums stattfand und überall verbrannte Erde hinterließ - allerdings am Ende auch eine völlig erschöpfte Band, die nur noch funktionierte, aber vor einer Zerreißprobe stand.

Man spielte in Polen, Österreich, Ungarn, Deutschland, Jugoslawien, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, der englischen Heimat, bediente die Fans in Belgien, den Niederlanden und Dänemark. Schweden, Finnland und die Schweiz standen ebenfalls auf dem allumfassenden Tourneeplan. Danach Nordamerika, Kanada, Südamerika, anschließend Japan und Australien. Nur, um dann abermals nach Nordamerika zurückzukehren. 187 Gigs in 331 Tagen!

Immer wieder wurde die Tour verlängert und nachdem sie endlich abgeschlossen werden konnte, benötigte man zum ersten Mal in der Karriere eine längere Pause, um die Batterien wieder aufzuladen und man beschloß, die nächsten Tourneen nicht mehr ganz so extrem ausarten zu lassen.

Besonders dem sensiblen Sänger Bruce Dickinson hatte die endlose Tour arg zugesetzt, was sich letztlich darin zeigte, dass er sich bereits zu diesem Zeitpunkt erstmals mit Ausstiegsgedanken trug und zum nächsten, erst 1986 erschienenen Studioalbum "Somewhere in time" kaum was brauchbares beitrug. Jedenfalls nichts, was vor den Ohren von Mastermind Steve Harris Gnade gefunden hätte.

Obwohl der ausgebrannte, lustlose Dickinson seine Pläne vorerst nicht in die Tat umsetzte und sich die Wogen zwischenzeitlich wieder oberflächlich glätten ließen, war hier wohl der erste tiefere Riß im Verhältnis der beiden Männer entstanden, der dann acht Jahre später tatsächlich zur vorübergehenden Trennung des Sängers von der Band führte.

Das dieser Tour vorausgehende "Powerslave"-Album war 1984 erschienen und hatte in einiger Hinsicht neue Superlative umgesetzt. Das Album besaß ein loses, aber nicht durchgehendes inhaltliches Konzept, welches u.a. von der ägyptischen Mythologie inspiriert war (ihren Bildungauftrag haben die Briten ja immer schon ernst genommen, in besonderem Maße nach dem Einstieg des intellektuellen Dickinson...) und beispielsweise vom alten Ägypten sowie dem Leben und Sterben eines Pharaohs handelte. Kongenial umgesetzt wurde diese Thematik durch das phänomenale Artwork von Hauszeichner Derek Riggs, der eines der imposantesten und detailreichsten Maiden-Cover aller Zeiten entwarf.

Musikalisch schöpfte die Band passend dazu natürlich auch aus dem Vollen und präsentierte mit dem über 13minütigen, komplex-verschachtelten und trotzdem enorm kraftstrotzenden "Rime of the ancient mariner" die absolute Überhymne, welche die progressiven Wurzeln der Band stärker als je zuvor betonte und äußerst packend und kurzweilig umzusetzen wußte.

Die Gruppe scheute sich auch nicht davor, dass anspruchsvolle Stück immer wieder mal live in die Setlist einzubauen. Sehr schön direkt auch auf dem 85er Kult-Livedreher "Live After Death" nachzuhören, der während besagter "World Slavery Tour" im kalifornischen Long Beach an zwei Abenden mitgeschnitten wurde. Die Live-Version des Stückes kommt noch einmal ein ganzes Stück beeindruckender rüber als die Studiovariante, die ja auch schon nicht von schlechten Eltern ist, aber im direkten Vergleich etwas gebremster wirkt.

Der düstere, knallhart groovende Titeltrack ist ebenfalls eine Klasse für sich, was natürlich auch für das melodiöse Einstiegsdoppel "Aces high" (eher schnell) und "2 minutes to midnight" (eher groovig) gilt, die beide auch als Singles ausgekoppelt wurden.

Obwohl "Powerslave" zu den ganz großen Maiden-Werken zählt (und wie wir wissen, sind die ersten sieben Maiden-Alben alle groß, ohne signifikante Schwächen) und Maiden hier noch mehr als auf dem Vorgänger "Piece of mind" (1983) ihren universellen, präzise ausbalancierten Heavy Metal-Sound etabliert hatten, der zunehmend aus den NWOBHM-Kinderschuhen herausgewachsen war, wirkt das Album auf mich trotz der konzeptionellen Ausrichtung seit jeher musikalisch etwas uneinheitlicher und zerrissener als die anderen Alben davor oder danach und somit auch einen minimalen Tick schwächer als die übrigen 80er-Scheiben der potenten Combo. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein großartiges Album ist es dabei immer noch und "Rime of the ancient mariner" alleine wäre schon Grund genug, die Scheibe zu besitzen.

Dann kommt mit dem aggressiven "Flash of the blade" zum Beispiel aber ein Stück, welches oftmals mit Nichtbeachtung bestraft wird, obwohl es für sich genommen sogar richtig gut ist (haben Maiden bis 1989 jemals überhaupt einen wirklich schlechten Song geschrieben ? Hallo ?). Aber leider paßt es von der Stimmung her irgendwie überhaupt nicht auf das Album, so dass es fast schon wie ein kleiner Fremdkörper wirkt, der den harmonischen Fluß ein wenig stört.

Dickinsons Gesang klingt auf der Scheibe aus meiner Sicht manchmal auch etwas gepresst, aber das mag auch an der Produktion liegen, die übrigens in den Compass Point Studios zu Nassau, Bahamas, umgesetzt wurde. "Powerslave" ist meiner bescheidenen Meinung nach nicht die beste Arbeit von Martin Birch für die Band, aber trotzdem immer noch eine ordentliche. Denn schlechtes hat Birch niemals abgeliefert. Gehen wir einfach davon aus, dass Produzent und Band genau den Klang haben wollten, der zu hören ist.

Aber "Killers", "The number of the beast" oder "Piece of mind" besaßen für mein Empfinden nun mal einen ansprechenderen Sound, wobei letztlich wiederum jeder Mensch mit anderen Ohren hört und ich meine persönliche Auffassung auch nicht als Maß aller Dinge hinstellen will.

Zurück zu den Songs: Das Instrumental "Losfer words (Big ´Orra)" wirkt zunächst etwas uninspiriert, entfaltet seine Qualitäten aber nach häufigerem Hören doch noch ganz passabel, bleibt aber dabei im guten Durchschnittsbereich. Danach haben Maiden übrigens keine Instrumentalstücke mehr aufgenommen.

In ähnlichem Midtemposegment ist auch "The Duellists" angelegt, über das man eigentlich genau das Gleiche sagen kann: Solider Maiden-Durchschnitt, aber kein Superhighlight. Wobei das natürlich Jammern auf hohem Niveau ist - ich wünschte, Steve Harris und seine Männer würden solche klar auf den Punkt gebrachten und ideenreichen Songs heute noch hinbekommen.

Die schnelle Abrißbirne "Back in the village" ist dann noch mal eine versteckte Perle im letzten Drittel des Albums, die schon früher viel mehr Beachtung verdient gehabt hätte. Eine kleine, feine Ohrfeige. :-)

Wer das Album nicht besitzt und dieses ändern möchte, was natürlich zu empfehlen wäre, sollte sich auf jeden Fall nach der LP-Version umschauen, denn das Artwork kommt in der richtigen Größe nochmal um einiges beeindruckender rüber.

Mit "Powerslave" und der anschließenden Tour waren Iron Maiden endgültig zu der überlebensgroßen Band herangewachsen, die sie bis heute sind. Die Richtschnur für alle anderen.


Die Songs

1. Aces High – 4:29
2. 2 Minutes To Midnight – 5:59
3. Losfer Words (Big 'Orra) – 4:12 (Instrumental)
4. Flash of the Blade – 4:02
5. The Duellists – 6:06
6. Back in the Village – 5:00
7. Powerslave – 7:07
8. Rime Of The Ancient Mariner – 13:34


Die Band

Bruce Dickinson (Gesang)
Steve Harris (Bass)
Dave Murray (Gitarre)
Adrian Smith (Gitarre)
Nicko McBrain (Schlagzeug)


Bild
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Re: Iron Maiden - "Powerslave" (1984)

Ungelesener Beitrag#2von ORACLE » 1. Jun 2016 21:36

Auch wenn sich auf ihren anderen Alben noch bessere Songs finden, ist das hier der IM-Zenit.
Ich sehe das jetzt mehr aus kreativer, textlicher und spieltechnischer Sicht.
Rime Of The Ancient Mariner ist für mich das beste Stück, dass sie je gemacht haben.
Ja, Aces High geht ab wie Schmidt's Katze.
pyramidabel!
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Re: Iron Maiden - "Powerslave" (1984)

Ungelesener Beitrag#3von Friese » 2. Jun 2016 08:47

Zusammen mit dem progressiven "Seventh Son..." ist dieses mein Favorit von Maiden.
Hier stehen sowohl CD als auch LP im Regal, wobei noch eine zweite LP den Weg zu mir finden muss.
Wie Matthias schon geschrieben hat ist es das großartige Artwork wert, nicht ungesehen im Regal zu stehen sondern angeschaut zu werden.
Oracle kann ich beipflichten, das "Rime..." (zumindest) eines der besten Stücke von Maiden ist.
"It's better to burn out than to fade away."
Neil Young
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Re: Iron Maiden - "Powerslave" (1984)

Ungelesener Beitrag#4von Rincewind » 3. Jun 2016 15:28

Allein Aces High, 2 Minutes To Midnight und Powerslave sind doch auf fast jeder Compilation oder Live-Scheibe dabei, das sagt eigentlich schon alles. Ein unvermeidlicher Maiden-Liebling 8-)
“He’d always felt he had a right to exist as a wizard in the same way that you couldn’t do proper maths without the number 0, which wasn’t a number at all but, if it went away, would leave a lot of larger numbers looking bloody stupid.” ― Terry Pratchett
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Re: Iron Maiden - "Powerslave" (1984)

Ungelesener Beitrag#5von Seeker » 23. Okt 2016 20:47

Für mich ist dieses Album mit "The Number Of The Beast" ('82) und "Piece Of Mind" ('83) die Essenz von Iron Maiden.
Stärker waren sie danach nie mehr.
Sie haben danach natürlich noch großartige Alben gemacht, keine Frage, aber das war die stärkste Phase die dann in dem besten NWOBHM - Live Album der 80er "Live After Death" ('85) gipfelte.
...zurück zur CD!
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