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REZENSIONAC/DC - "Let there be rock" (1977)

AC/DC - "Let there be rock" (1977)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 5. Dez 2015 14:11

AC/DC - "Let there be rock" (1977)



AC/DC gehörten zu den ersten "richtigen" Bands, die ich als Dreikäsehoch kennenlernte und sie waren sicherlich maßgebliche Wegbereiter für meine musikalische Sozialisation (neben Iron Maiden und den Scorpions, die ich fast zur gleichen Zeit kennenlernte). Die ersten AC/DC-Gitarrenriffs die sich mir als staunendem, ungefähr neunjährigen Jungen in den Gehörgang frästen, bedeuteten für mich den Beginn einer neuen musikalischen Zeitrechnung und die Entwicklung eines eigenen Musikgeschmacks, nachdem ich zuvor wie die meisten Kinder mal dieses und mal jenes gehört hatte, die Beatles generell toll fand und natürlich zudem auch durch das Elternhaus geprägt war, wo in erster Linie klassische Musik und Jazz präferiert wurden.

Ich bin auch heute noch der festen Überzeugung dass AC/DC in der Bon Scott-Ära zum überzeugendsten gehörten, was aus dieser musikalischen Richtung geboten wurde und eine ganze Reihe von Alben veröffentlichten, deren Qualität und Intensität später nach dem Tod von Bon Scott und unter Mitwirkung von dessen Nachfolger Brian Johnson nie wieder erreicht werden konnte. Allenfalls das erste Nach-Scott-Album "Back in Black" (1980) schaffte es noch über längere Strecken, ein ähnliches Niveau zu erklimmen.

Ebenso habe ich bis heute wenig Verständnis dafür, warum in gewissen Kreisen gerne mal arrogant die Nase gerümpft wird, sobald es um Bands wie AC/DC, Status Quo und Konsorten geht, die ja "nur normale Rockmusik" machen. Wann begreifen diese Leute eigentlich endlich mal, dass Musik nicht immer absonderlich schräg und obskur, bis zur Unhörbarkeit komplex oder total verfrickelt mit zwanzig Taktwechseln in dreißig Sekunden sein muß, nur um gut zu sein ?

Qualität manifestiert sich mit Sicherheit auch noch über etliche andere Eigenschaften und ich persönlich kann dazu nur sagen, dass mein Geschmacks-und Qualitätslevel von frühen AC/DC über Kraftwerk und Genesis bis hin zu King Crimson und darüber hinaus reicht, also eine Menge unterschiedlicher Stile und diverser Richtungen mit einschließt und ich habe natürlich auch bestimmte Vorlieben, die hier auch allgemein bekannt sein dürften.

Aber ich käme nicht so ohne weiteres auf die Idee mich hinzustellen und etwas kategorisch von vorneherein auf die Abschußliste zu setzen, weil es mit irgendwelchen kruden, merkwürdig über drei Ecken zurechtgebogenen Vorstellungen nicht konform zu gehen scheint oder gar "zu normal" ist. Um es abzukürzen: es gibt in fast jeder Rockmusikspielart gute und schlechte Bands und das ist, abgesehen von generellen Geschmacksfragen, mein Maßstab und nichts anderes.

Was AC/DC betrifft, werfe ich als erstes mal das Argument in die Waagschale, dass diese Band nicht nur durch das stoisch-lässige und dennoch voller Energie zerberstende Rhythmusgitarrenspiel des Malcolm Young geprägt wurde, sondern auch durch die Lead-Gitarre von dessen Bruder Angus, den ich ohne mit der Wimper zu zucken zu den besten und mitreißendsten Gitarristen auf der ganzen Welt küren würde.

Ich weiß gar nicht ob das überhaupt jedem klar ist, was für ein exzellenter Guitarplayer Angus Young ist? Zudem einer von jener Sorte, dessen charakteristisches Spiel man nach dem ersten Ton erkennt und davon gibt es nicht allzuviele. Persönlich ist er aber viel zu bodenständig, um mit seinen Fähigkeiten offensiv zu kokettieren. Vielleicht geht er deshalb in der allgemeinen Wahrnehmung oft ein wenig unter oder wird eher beiläufig erwähnt.

Das flüssige Zusammenspiel der Brüder Young, dazu der satte Groove der jeweiligen Hintermannschaft (in besten Tagen bestehend aus Mark Evans am pumpenden Bass und Sorgenkind Phil Rudd mit simplen, aber stets effektiven und songdienlichen, sperenzchenfreien Drumlines hinter der Schießbude) und eine gehörige Portion Blues und Rotzigkeit - das macht den klassischen AC/DC-Sound aus, dem zumindest bis "Highway to hell" auch keine sonderlich große Mainstreamtauglichkeit nachgesagt werden konnte.

Und über all dem thront der unvergleichliche Gesang des unerreichten Bon Scott, dem sein Nachfolger trotz aller Bemühungen nie wirklich das Wasser reichen konnte.

Bon Scott besaß trotz seines limitierten Timbres die Fähigkeit, eine ganze Palette an nahezu plastischen Ausdrucksmöglichkeiten und Emotionen abzurufen, die einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren lassen konnten. Er konnte schlagartig wechseln vom lasziven Verführer und lebensfrohen Casanova zum schmierigen, abgehalfterten Vorstadtzuhälter, er konnte den fiesen Outlaw genauso auferstehen lassen wie den versoffenen Pokerspieler, den Penner aus der Gosse ebenso markieren wie den überlebensgroßen Superman - all das und noch viel mehr konnte er mit seiner beschränkten Stimme in unnachahmlicher Präsenz bestechend überzeugend verkörpern.

Vielleicht auch deshalb, weil viel von dem was er dort sang, in ihm selber steckte bzw. einen Teil seiner Persönlichkeit, seines Lebens, seiner Erfahrungen, seiner inneren Widersprüche reflektierte. Bon Scott wußte, worüber er sang und worüber er seine Texte schrieb.

Die nach meinem Empfinden wichtigsten musikalischen Zeugnisse dieser Band und mit Sicherheit nicht nur zum "Soundtrack of my life" gehörend, sondern auch generell die am besten den Gesang von Bon Scott transportierenden musikalischen Statements von AC/DC sind die Alben "Let there be rock" (1977) und "Powerage" (1978).

"Let there be rock" war dabei die erste AC/DC-LP, welche ich mir gekauft habe. Vom Taschengeld. Auf dem Flohmarkt (wo man damals noch für zehn, zwanzig Mark stapelweise LPs aus den oft überraschend gut sortierten Grabbelkisten von Privatleuten mit nach Hause nehmen konnte und nicht - so wie heute - das Gefühl hatte, vor allem der Bereicherung professioneller Händler zu dienen, die sich dank des überraschenden Vinylbooms der letzten Jahre via Discogs & Co. längst im Internet informiert haben, welche teils absurden Preise sie mittlerweile fordern können).

Das Album gehört nach wie vor zu meinen Lieblingsalben und wenn ich die Scheibe heute auflege, handelt es sich immer noch um jene LP, die ich damals vor knapp 28 Jahren auf diesem Flohmarkt erworben habe. Mittlerweile natürlich in zumindest optisch entsprechend "patiniertem" Zustand, mit zahlreichen Abnutzungsspuren an der Hülle (mittlerweile lösen sich auch die Klebepunkte des Covers in Wohlgefallen auf, es ist also eine gewisse Vorsicht bei der Handhabung gefragt ;-))

Diesen Schweiß, diesen Schmutz, diesen Dreck unter den Fingernägeln, diese Rotzigkeit, dieses bluesige Grundfeeling, diese aggressive Energie - das hat es bei AC/DC in dieser Konstellation definitiv nur zwischen 1974 und 1979 gegeben. In der Ära Bon Scott eben.

Mit deren vorzeitiger Beendigung änderte sich auch die Musik mehr oder weniger subtil. Trotz Beibehaltung grundsätzlicher Trademarks und des AC/DC-typischen Wiedererkennungswertes wurde ab dem Einstieg von Brian Johnson irgendwie alles zunehmend beliebiger, kalkulierter, mainstreamaffiner, blasser, lahmer, müder, viel weniger mitreißend. Medioker könnte man auch sagen.

Ein fast schon poppiges, extrem eingängiges (und nerviges) Stück wie "You shook me all night long" hätte es so meines Erachtens mit Bon Scott niemals gegeben. Und wenn doch, hätte er es zumindest geschafft, dem Lied einen anderen Stempel aufzudrücken. Klar, vereinzelt gab es immer wieder mal gute Tracks, aber letztlich war nichts dabei, was die entfesselte Magie der Bon Scott-Zeiten wiederbeleben konnte. AC/DC blieben AC/DC und trotzdem war es nicht mehr dasselbe Fahrwasser wie zuvor.

Zurück zu "Let there be rock", welches nahezu ausschließlich aus Klassikern besteht, die AC/DC in den Olymp der besten 70er-Hardrock-Bands hieven. Und das mit Fug und Recht.

Schon der Opener "Go down", der punkige Rotzigkeit mit einem fesselnden Boogie-Rhythmus fusioniert, groovt den Hörer bestens auf dieses Album ein. Danach folgt mit "Dog eat dog" einer der besten AC/DC-Songs aller Zeiten, der dann gleich im Anschluß durch den furiosen Titeltrack nochmals übertroffen wird, mit welchem die Rock´n´Roll-Messe schlechthin zelebriert wird. Ich zitiere an dieser Stelle nur die wesentlichen Teile des Textes:

Let there be sound, and there was sound
Let there be light, and there was light
Let there be drums, there was drums
Let there be guitar, there was guitar
Let there be rock


Das sagt unmißverständlich aus wo hier der Hammer hängt, denke ich. Diese salbungsvollen Worte habe ich sogar als Kind schon verstanden, lange bevor ich richtig Englisch konnte. Kann ich auch heute noch im Schlaf aufsagen. :-)

"Overdose" mit seinem mächtigen, rohen Riff läßt es ebenfalls gepflegt krachen und darf sich somit in gleicher Weise zu den stärksten AC/DC-Tracks ever rechnen lassen; das Gleiche gilt für das flotte, sich zum Ende hin immer weiter steigernde "Whole Lotta Rosie", welches bis zum heutigen Tage zu den absoluten Live-Klassikern der Band zählt.

Auch die restlichen Songs, als da wären "Bad boy boogie", der entspannte Blues "Crapsody in blue" und "Hell ain´t a bad place to be", sind alles andere als von schlechten Eltern. Lediglich die beiden letztgenannten fallen aus meiner Sicht gaaaaanz leicht gegenüber dem übrigen Material ab.

"Let there be rock" ist eine Scheibe, die jede Menge Dampf auf dem Kessel hat. Unter den AC/DC-Alben gehört sie zu den unverzichtbaren Highlights. Wer die wahre DNA dieser Band erleben will, findet sie hier (und auf "Powerage") in ihrer reinsten und kompositorisch stärksten Form und darf sich ruhig wundern, wieviel Feuer und Bums diese Band einstmals besaß. Auch ganz allgemein läßt sich festhalten, dass eine ernstgemeinte Plattensammlung ohne dieses Album unvollständig ist.


Die Songs

1. Go Down – 5:20
2. Dog Eat Dog – 3:35
3. Let There Be Rock – 6:07
4. Bad Boy Boogie – 4:28
5. Overdose – 6:09
6. Crabsody in Blue – 4:45
7. Hell Ain’t a Bad Place to Be – 4:15
8. Whole Lotta Rosie – 5:22

Das ist die Tracklist der austalischen Version, die ich auch besitze. Auf der internationalen Version wurde der Song "Crapsody in blue" durch "Problem child" ersetzt, welches bereits auf dem 76er "Dirty deeds done dirt cheap"-Album enthalten gewesen war.


Die Band


Bon Scott (Gesang)
Mark Evans (Bass)
Malcolm Young (Gitarre)
Angus Young (Gitarre)
Phil Rudd (Schlagzeug)


Bild
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Re: AC/DC - "Let there be rock" (1977)

Ungelesener Beitrag#2von badger » 6. Dez 2015 11:14

welch ein WUN-DER-BA-RER bericht; vollgestopft mit aussagen, zu denen man wieder und wieder
mit dem kopf nicken muß; ja-ja-ja.

auch für mich war der 'Bauarbeiter Boogie' von AC/DC (später sehr korrekt von Rose Tattoo
unterstützt) eine offenbarung, aber schon ein paar jahre früher. so mitte der 70er lebten wir
in einer welt, in der selbstverliebte bands immer mehr ausufernde 'produktionen' ablieferten und
ich gehörte zu denen, die gestrichen die nase voll hatten von Genesis, Supertramp oder dem, was
die vormals so vorzüglichen Pink Floyd oder Yes damals ablieferten.

in UK entwickelten die gegen diesen brei ankämpfenden musiker den pub rock; in USA entstand
der southern rock und noch bevor sich die punks sammeln konnten, um durch die Pistols, Clash oder
Jam zum großen befreiungsschlag anzusetzen, war plötzlich diese elitetruppe aus den großstadt-
dschungeln Sydneys und Melbournes aufgetaucht: 'There's Gonna Be Some Rockin'... und teufel
noch eins, da WAR Some Rocking.

aber einfach war es nicht, denn 'Ain't No Fun (Waiting Round To Be A Millionaire)' und 'It's A Long
Way To The Top (If You Wanna Rock'n'Roll)... immer noch zwei meiner lieblingsnummern.

das war perfekte mucke für parties oder autoradios oder zum entspannen, nach einem harten tag
'auffe maloche'. und scheiß drauf, daß einige superlangweiler (leute, die ihren fetten arsch nicht vom
sofa hochkriegen) diese töne nicht als 'künstlerisch wertvoll' deklarieren wollten.

Let There Be Rock, Powerage und Highway To Hell waren veritable hämmer; der exitus von Bon Scott
war kaum zu kompensieren und 'Back In Black' war dann auch mein letztes album.

ich weiß nicht, ob ich einen 60 jährigen Angus in schuluniform sehen möchte und auch die mega-
bühnen, auf denen sie schon lange spielen, würden mich stören (AC/DC machen einfach mucke, die man
nur in kleinen clubs wirklich genießen kann), trotzdem ists gut, daß sie bis heute weitermachen.
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Re: AC/DC - "Let there be rock" (1977)

Ungelesener Beitrag#3von Seeker » 23. Okt 2016 18:50

Genau dieses Album ist für mich persönlich das beste AC/DC Album.
Nicht nur das ich es mir damals, 1982, mit der Highway To Hell zusammen von meinem erste Lehrlingslohn kaufte, nein, sondern alleine durch die rotzigen Songs auf diesem Album.
Bin mit dem Verfasser der Rezi absolut konform, incl. die seltene, aber richtige Aussage über "Dog eat Dog", wobei gerade "Overdose" für mich quasi an der Spitze der AC/DC Songs ist.
Toller Bericht.

MfG
Klaus
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