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REZENSIONMercyful Fate - "Time" (1994)

Mercyful Fate - "Time" (1994)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 29. Okt 2016 00:15

Mercyful Fate - "Time" (1994)


Mercyful Fate kann man nur lieben oder hassen und das liegt weniger an ihrer Musik, sondern vielmehr am polarisierenden Gesang von King Diamond, der mit seiner extremen Falsettstimme bei Bedarf für viele kontroverse Reaktionen gut ist.

Der King beherrscht den Wechsel zwischen den Tonlagen von tief-maskulin und energisch bis hinein in höchste Kastratenhöhen fließend. Er ist ein Meister der Dramatik, der Theatralik und der Verwandlung.

Außerdem hat er stets etwas zu erzählen, seine Geschichten sind in sich abgeschlossene Universen des Bösen und Bizarren, des Abgründigen und des Okkulten; wahre Schauermärchen, in die es sich zu versinken lohnt. Vorausgesetzt natürlich, man kann derlei etwas abgewinnen. Ich kann. Und ich mag die Art und Weise, wie er seine Stimme einsetzt, zumal er auch in den hohen Tonlagen immer kraftvoll und nie verweichlicht klingt.

Musikalisch stehen Mercyful Fate sowieso ganz weit oben, diese Band ist für mich nahezu unantastbar. Es dürfte schwer sein, eine andere Heavy Metal-Band zu finden, die tatsächlich nicht ein schwaches Album veröffentlicht hat.

Fast jede noch so gute Band hat ihre Leichen im Keller und Phasen in der Biographie, wo es mit der Kreativität bergab ging. Mercyful Fate nicht, selbst in den schwächsten Momenten gab es immer noch ein Mindestniveau, welches nicht unterschritten wurde, oder, um es anders auszudrücken: Die wenigen Leichen, die es im Keller der Dänen gibt, stinken längst nicht so stark wie die bei anderen Bands.

Ich persönlich finde es aus diesem Grunde auch mehr als bedauerlich, dass die skandinavische Legende schon seit vielen Jahren inaktiv ist (letztes Studioalbum "9" erschien 1999...) und der King sich vorrangig auf seine Solokarriere konzentriert. Dort hat er zwar auch eine Menge zu bieten und die Alben sind ebenfalls alles andere als schlecht, aber so einzigartig packend wie der MF-Stoff waren sie für mich nie oder nur selten.

Diese ganz spezielle Magie und außergewöhnliche Originalität liegt nicht zuletzt an dem exzellenten Gitarrenduo Michael Denner / Hank Sherman, deren ganz spezieller Ton einem großen Teil des Materials von Mercyful Fate über Jahre prägend den Stempel aufgedrückt hat und sofort erkennbar ist.

So wie Mercyful Fate hört sich definitiv keine andere Band an und das liegt neben dem King eben ganz besonders und von nicht zu unterschätzender Bedeutung an Denner und Sherman.

Natürlich waren Mercyful Fate von Beginn an durch Bands wie Black Sabbath, Uriah Heep, Alice Cooper, Black Widow oder die NWOBHM geprägt, aber sie haben ihr ganz eigenes Ding daraus kreiert.

Der Sound der Band ist ungeheuer variabel und abwechslungsreich, voller Kontraste, lebt von Abstraktion und anspruchsvollen progressiven Strukturen, die trotz aller vermeintlichen Sperrigkeit auch die nötige Eingängigkeit nicht vermissen lassen. Dabei ist und bleibt die Musik immer düster, dramatisch und ungemein heavy.

Die Musik illustriert die Texte des Kings dermaßen effektvoll und geschickt, dass sich das Ganze zu einem dicht verwobenen Film zusammensetzt, der einem durch den Kopf läuft, während man mit dem Textblatt in der Hand den oft einem inhaltlichen Konzept folgenden Songs lauscht. All das zusammen mündet in einem echten Aha-Erlebnis.

Was "Time" betrifft, so handelte es sich um das zweite Album nach der Reunion und das vierte insgesamt. Wobei der Begriff "Werk" es eigentlich besser trifft. 1983 und 1984 waren bereits die Alben "Melissa" und "Don´t break the oath" erschienen, Mitte der 80er trennte sich die Band und der King begann erstmals auf Solopfaden zu wandeln, bevor Mercyful Fate Anfang der 90er Jahre wiederbelebt wurden und mit dem völlig genialen, unfassbar großartigen Comeback-Album "In the shadows" (1993) ihr stärkstes Album überhaupt und eines der besten und zeitlosesten Heavy Metal-Alben aller Zeiten veröffentlichten.

Eigentlich hätte ich auch eine Rezi für "In the shadows" schreiben können, aber dann würde ich vermutlich vor Begeisterung in Ohnmacht fallen und gar keine Worte in die Tastatur fließen lassen können. Ich bekomme nur vom Denken an dieses unsterbliche Masterpiece schon eine Gänsehaut am ganzen Körper !

Also nehmen wir lieber "Time", welches ein Jahr später folgte und auch eine Glanzleistung darstellt. Aber es gelingt mir da noch eher, meine Körperfunktionen unter Kontrolle zu halten, weil es eben "nur" großartig ist, aber nun einmal mit leichtem Respektabstand zu "In the shadows". Auch sind die Songs auf "Time" überwiegend kürzer ausgefallen als auf dem deutlich ausufernderen Vorgänger.

Trotzdem gibt es auf diesem dunklen, tiefgehenden Klassealbum ebenfalls etliche Hymnen für die Ewigkeit, wie das wuchtig-schwere, gleichzeitig aber komplexe und zudem stark orientalisch angehauchte "The Mad Arab". Eine unbestrittene Meisterleistung, wie sie nur ganz wenige Gruppen hinbekommen würden.

Das schnelle, straighte "Nightmare be thy name" wurde damals auch für einen Videoclip ausgekoppelt und ist von Machart und Struktur her ungefähr mit "Egypt" vom Vorgängeralbum vergleichbar.

Ebenfalls hochkarätig: "Angel of light", "Witche´s dance", der morbide, passend durch eine tickende Uhr eingeleitete Titeltrack und das abschließende "Castillo del Mortes" mit seinem knallharten und dabei hochpräzise ausgefeilten Riffing - um jetzt nur mal einige besonders herausragende Tracks zu nennen.

Die anspruchsvollen und dennoch songdienlichen Gitarrenparts aus dem Hause Denner / Sherman sind einfach nicht von dieser Welt - niemand, wirklich niemand, schreibt und spielt seine Beiträge so wie diese beiden Könner, egal ob es um Rhythmus- oder Leadkomponenten geht. Das Zusammenspiel der beiden stellt eine Klasse für sich dar.

Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wäre es, dass der King sich dazu aufrafft, Mercyful Fate mit Denner und Sherman noch mal wieder auf die Beine zu stellen und ein Album rauszuhauen, welches es mit den zahlreichen großen Klassikern dieser wunderbaren wie wundersamen Formation aufnehmen kann.

Für den skandinavischen und europäischen Heavy Metal, aber auch international, ist diese Band einflußreich und impulsgebend wie kaum eine zweite gewesen, obwohl sie stets zwiespältige Reaktionen (wie gesagt: Entweder lieben oder hassen...) hervorgerufen hat und nie in den Erfolgsregionen wie die ganz großen Namen der Szene schwebte.

Dafür ist ihr Kultstatus umso unantastbarer, ebenso wie die Qualität nahezu aller ihrer Veröffentlichungen, die wie schon angedeutet nur verhältnismäßig wenigen Schwankungen unterliegt.


Die Songs

1."Nightmare Be Thy Name" - 3:29
2."Angel of Light" - 3:37
3."Witches' Dance" - 4:47
4."The Mad Arab" - 4:42
5."My Demon" - 4:42
6."Time" - 4:22
7."The Preacher" - 3:29
8."Lady in Black" - 3:49
9."Mirror" - 3:19
10."The Afterlife" - 4:32
11."Castillo del Mortes" - 6:14

Die Band

King Diamond (Gesang)
Sharlee D´Angelo (Bass)
Hank Sherman (Gitarre)
Michael Denner (Gitarre)
Snowy Shaw (Schlagzeug)


Bild
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Re: Mercyful Fate - "Time" (1994)

Ungelesener Beitrag#2von Seeker » 29. Okt 2016 18:17

ja, wir hatten ja kurz an anderer Stelle das Intermezzo mit "Don't break the oath" und "In the shadows" welches ja unentschieden ausging.
Die Meinung über "Time" kann ich mit dir teilen. Sehr gut, aber im direkten Vergleich mit "In the shadows" kommt es nicht ganz so gut davon.
...zurück zur CD!
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Re: Mercyful Fate - "Time" (1994)

Ungelesener Beitrag#3von AusDemWegIchBinArzt » 30. Okt 2016 07:22

Habe ich Dir eigentlich mal erzählt, dass ich meine Frau am ehesten aus dem Zimmer vertreiben kann, wenn ich Mercyful Fate / King Diamond, Venom oder Klaus Schulze auflege ? Alle drei hasst sie wie die Pest... :mrgreen:

Zu "In the shadows" wollte ich noch sagen, dass es für mich in seiner kompletten Struktur ein absolut progressives Heavy Metal-Album darstellt, ohne dabei (typischer) Prog Metal zu sein. Das ist mir noch zu diesem Thema eingefallen.

Vor der Platte (und den übrigen MF-Releases natürlich auch) in den Staub werfen würde ich mich sowieso jederzeit. ;)
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