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REZENSIONUriah Heep - "Equator" (1985)

Uriah Heep - "Equator" (1985)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 13. Mär 2017 15:39

Uriah Heep - "Equator" (1985)



Das Album im Uriah Heep-Katalog, an welches sich niemand mehr erinnern will. Nicht einmal die Band selbst vermutlich. Und ganz ehrlich, ich kann das verstehen.

Aber warum nicht mal ein bißchen tiefer graben und die Leichen aus dem Keller holen, schließlich machen Rezensionen oftmals erst so richtig Spaß, wenn sie sich den abseitigen, vergessenen Alben widmen, die keiner so richtig auf dem Schirm hat und das manchmal auch aus guten Gründen. So wie in diesem Fall.

Vorweg: Auf keinem anderen ihrer zahlreichen Alben klingen Uriah Heep weniger nach sich selbst, als auf diesem in weiten Teilen völlig mißratenen Bankrott-Machwerk aus dem Jahre 1985.

"Equator" ist mit das grauseligste was man sich vorstellen kann und in jeder Hinsicht genau das, was man von Uriah Heep NICHT hören möchte.

Mick Box und seine Mannen waren damals an einem Punkt vollständiger Ratlosigkeit und Orientierungslosigkeit gestrandet. Die großen 70er waren unweigerlich vorbei, wichtige Leute wie David Byron oder Ken Hensley längst nicht mehr in der Band und selbst Personen wie Byron-Nachfolger John Lawton, mit dem die Band auch noch einige Erfolge hatte feiern können, hatten sich schon wieder verabschiedet.

Inzwischen hatte es Punk und die New Wave Of British Heavy Metal gegeben, in Deutschland schaute man auf die Neue Deutsche Welle und überhaupt war alles anders als noch ein paar Jahre zuvor und altgediente Bands (oder sollte man Dinosaurier sagen ?) wie Heep hatten sich entweder aufgelöst oder dümpelten vor sich hin und wußten nicht mehr, wie es weitergehen sollte.

Seit 1982 war als Sänger Peter Goalby mit von der Partie, der zuvor bei Trapeze gesungen hatte. Mit ihm hatte die Band bereits die Alben "Abominog" (1982, passabel) und "Head First" (1983, schon deutlich schwächer) aufgenommen, welche versuchten, die Band in die 80er Jahre zu integrieren.

Leider war der Gruppe dabei aber auch zunehmend die ureigene Identität abhanden gekommen, sie klang immer beliebiger und austauschbarer und zeigte zudem einen sich verstärkenden Hang zu AOR und insgesamt kommerzielleren Klängen, außerdem waren die klassischen Orgelklänge quietschenden Billig-Synthies gewichen, ganz im Stil der neuen Zeit.

Besonders das Fehlen von jemandem wie Ken Hensley, welcher der Band stets eine prägnante und charakteristische künstlerische Ausdrucksweise verliehen hatte, machte sich immer unangenehmer bemerkbar.

Der Tiefpunkt dieser Entwicklung war dann mit dem desaströsen "Equator" erreicht. Wer Göttergaben wie "Demons and wizards" oder "The Magician´s Birthday" als Referenzalben im Hinterkopf hat, darf das in Bezug auf "Equator" mal ganz schnell aus dem Gedächtnis streichen.

"Equator" ist ein vorrangig am US-Markt orientiertes Luftnümmerchen voller supersofter, seicht-poppiger Lieder aus dem AOR-/Melodic Rock-Standardbaukasten, in denen nichts, aber auch wirklich nichts an die alten, innovativen Uriah Heep-Großtaten erinnert und alles nur nach Schema F runtergeleiert wird.

Eine klischeeüberfrachtete Nullnummer jagt die nächste und die strunzblöden Texte sind an Dämlichkeit kaum noch zu überbieten. Zumindest rein gesanglich kann man Peter Goalby aber nichts vorwerfen (konnte man auch auf den beiden Vorgängeralben nicht), denn singen kann er und Wiedererkennungswert besitzt seine Stimme durchaus auch, obwohl er natürlich selbstverständlich kein zweiter David Byron ist.

Aber textlich und musikalisch ist das ganze Album einfach nur ein geradezu grotesk überflüssiges Ärgernis, welches sich die Band dreimal hätte sparen können.

Ich habe absolut nichts gegen gut gemachten AOR, aber bei den einstigen Großmeistern des progressiven Hardrock paßt das einfach nicht und schon gar nicht, wenn es dermaßen billig, lieblos und nach Strich und Faden kalkuliert zusammengeschustert wird.

Gut gemacht ist hier definitiv nicht viel, selbst der Sound kann nicht überzeugen, weil er dünn wie Knäckebrot und völlig drucklos rüberkommt.

Mit viel Wohlwollen kann man zumindest dem Ohrwurm "Poor little rich girl" gewisse Qualitäten attestieren, aber unterm Strich ist auch er letztlich nur belanglos und vor allem: Will man so was wirklich von Uriah Heep serviert bekommen ? Ich denke nicht. Außerdem sind die Keyboardsounds über die gesamte Albumdistanz einfach nur zum Weglaufen.

Dass dieses Album nahezu in Vergessenheit geraten ist, geschieht vollkommen zurecht. Damit haben sich Mick Box & Co. seinerzeit selbst ins Knie geschossen.


Die Songs

1. Rockarama
2. Bad Blood
3. Lost one love
4. Angel
5. Holding on
6. Party Time
7. Poor little rich girl
8. Skools Burnin´
9. Heartache City
10. Night of the wolf


Die Band

Peter Goalby (Gesang)
Trevor Bolder (Bass)
Mick Box (Gitarre)
John Sinclair (Keyboards)
Lee Kerslake (Schlagzeug)


Bild
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