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REZENSIONWhitesnake - "Come an´get it" (1981)

Whitesnake - "Come an´get it" (1981)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 11. Mär 2017 11:50

Whitesnake - "Come an´get it" (1981)


Dass Whitesnake in den ersten Jahren ihrer Karriere musikalisch viel besser, beseelter und glaubwürdiger unterwegs waren als in der hochglanzgestylten, betonfrisierten und insgesamt ziemlich affigen MTV-Ära der späten 80er, weiß eigentlich jeder ernsthafte Hardrockfan.

Inbesondere läßt sich die künstlerische Hochphase im Schaffen von Whitesnake auf die Mitgliedschaft ihrer beiden Grundpfeiler Micky Moody und Bernie Marsden festlegen. Die beiden gehörten zu den besten Gitarrentandems überhaupt und prägten mit ihrem Spiel den Sound der frühen Whitesnake nachhaltig; genaugenommen waren diese beiden Männer die musikalische Seele der Band, noch vor ihrem offiziellen Vorturner David Coverdale.

Nachdem Marsden 1983 ausgestiegen war, blieb Moody noch ein Album länger ("Slide it in", 1984) in der Band und kollaborierte dort zunächst mit Mel Galley, der aber krankheitsbedingt frühzeitig ausschied und dann durch John Sykes (vormals Tygers Of Pan Tang und Thin Lizzy) ersetzt wurde.

Hier ist dann auch der Cut in der musikalischen Entwicklung von Whitesnake zu sehen, denn "Slide it in" war das letzte ernstzunehmende Album der Band, auch wenn es gegenüber den Vorgängerscheiben bereits leicht abfiel.

Danach wanderten Jeans und T-Shirt in den Schrank und wundern durch Fönwelle, peinliches Herumgehampel und Lederdress ersetzt, um auf der MTV-infizierten Ami-Pop Metal-Welle mitzuschwimmen.

Aus einer der besten, bluesbasierten Hardrockbands Englands wurde ein Kasperletheater mit zumeist schwachen, aber pompös aufgeblasenen Melodic Metal-Liedchen.

Aber soweit war es zu Zeiten von "Come an´get it" glücklicherweise noch nicht, welches zusammen mit dem brillianten, noch einen winzigen Hauch stärkeren Vorgänger "Ready an´willing" zu meinen absoluten Favoriten aus dem Hause Whitesnake zählt.

Besonderes Gewicht erlangte die seinerzeitige musikalische Qualität der Band nicht nur durch Moody / Marsden, sondern durch den zusätzlichen Umstand, dass in dieser Phase auch die ehemaligen Deep Purple-Kollegen Ian Paice und Jon Lord zur Band gehörten, was quasi die Extrakirsche auf der Sahne bedeutete.

"Come an´get it" läßt nichts anbrennen und feuert gleich vom ersten Song (gleichzeitig der Titeltrack) an aus allen Rohren. Diesen unvergleichlich lässigen und dennoch knochentrockenen, präzisen Groove kann wirklich nur ein Ian Paice am Schlagzeug aus dem Ärmel schütteln und man hört der Band ihren Spaß und ihre Spielfreude wirklich an, nicht nur bei diesem einen Stück sondern auf dem gesamten Album.

Der flotte Hardrock-Shuffle "Hot Stuff" läßt garantiert niemanden stillsitzen und verwöhnt außerdem mit satten Orgelklängen, die dennoch immer wohldosiert und nie übertrieben eingesetzt werden, dadurch aber umso effektiver und punktgenauer sitzen.

Das melodiös stampfende, super eingängige "Don´t break my heart again" schlägt eine Brücke zwischen bluesigem Hardrock und einer guten Prise AOR, ist also prinzipiell eine Spur kommerzieller angelegt, gehört aber dennoch zu den absoluten Sternstunden auf diesem Album und überhaupt in der gesamten Karriere von Whitesnake.

"Wine, women and song" ist eine rasante, schweißtreibende Boogie-Rock´n´Roll-Abfahrt mit hämmerndem Piano und göttlichen solistischen Einlagen der Herren Moody und Marsden, wie sie besser nicht sein könnten.

Weitere Highlights dieses an Highlights eh nicht armen Geniestreichs sind das etwas entspanntere, gut abgehangene "Child of Babylon", der treibende, knallharte und dezent funkig groovende Rocker "Hit an´run" , in dessen Mittelteil Bernie Marsden gekonnt mit einer Talkbox herumspielt sowie das abschließende, etwas melancholisch beginnende und sich dann in einen typischen Whitesnake-Grooverocker verwandelnde "Till the day I die".

Wer die wahre künstlerische Essenz dieser Band erfassen will, kommt an den frühen Alben keinesfalls vorbei und an "Come an´get it" schon gar nicht. Das waren definitiv die besten und angriffslustigsten Jahre der weißen Schlange. Weltklasse!


Die Songs

1. Come an´get it
2. Hot Stuff
3. Don´t break my heart again
4. Lonely days, lonely nights
5. Wine, women an´song
6. Child of Babylon
7. Would I lie to you
8. Girl
9. Hit an´run
10. Till the day I die


Die Band

David Coverdale (Gesang)
Neil Murray (Bass)
Micky Moody (Gitarre)
Bernie Marsden (Gitarre)
Jon Lord (Keyboards, Orgel)
Ian Paice (Schlagzeug)


Bild
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