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REZENSIONWitchfynde - "Give´em hell" (1980)

Witchfynde - "Give´em hell" (1980)

Ungelesener Beitrag#1von AusDemWegIchBinArzt » 13. Okt 2016 17:42

Witchfynde - "Give ´em hell" (1980)


Witchfynde zählen neben - unter anderem - den Tygers Of Pan Tang zu meinen besonders bevorzugten NWOBHM-Buddies.

Ich liebe den Haufen um Gitarrist Montalo wirklich aufrichtig und dieses absolut einzigartige Feeling, welches ihre ersten vier Alben verströmen, beinhaltet nach meinem Empfinden wirklich alles, was man einer old schooligen, harten Rockband aus England an Attributen zuschreiben würde. So können einfach nur englische Bands klingen.

Von diesen ersten vier Alben sind insbesondere die Alben Nr.1 und Nr.2 hervorzuheben, da sie den Alben Nr.3 und Nr.4 bezüglich der kompositorischen Qualitätsdichte überlegen sind - was keineswegs heißen soll, dass letztere Werke schlecht wären. Nur eben in der Gesamtheit betrachtet etwas schwächer.

Das absolute Überalbum ist und bleibt dabei das 80er Debüt "Give´em hell" der bereits 1975 gegründeten Gruppe, die somit zu den ganz frühen Vertretern der NWOBHM zählt.

"Give ´em hell" ist einfach DER Witchfynde-Klassiker schlechthin, der alles überstrahlende Stern im Katalog der NWOBHM-Veteranen, der gewissermaßen die musikalische Lücke zwischen Black Sabbath, Black Widow und Angel Witch schließt und sich auch Schlenker erlaubt, die durchaus Einflüsse von Wishbone Ash oder Thin Lizzy offenbaren.

Witchfynde sind nicht die Härtekönige der NWOBHM, aber ihre Musik ist überwiegend recht düster und intensiv, wirkt also alleine schon deshalb ziemlich heavy und kraftvoll.

Auf den Punkt gebracht bieten Witchfynde kauzigen, obskuren Heavy Rock / Metal mit okkultem Firlefanz, der den gesamten Bereich zwischen zackig-flott ("Ready to roll"; "Give ´em hell"; "Getting heavy") und episch-progressiver Breite (das unheimliche "Unto the ages of ages") abdeckt.

"Leaving Nadir" beginnt relaxt und getragen, steigert sich dann in einen eingängigen Midtempo-Rocker. "The divine victim" dafür groovt mit schweren Riffs eher schleppend dahin.

Das Spektrum ist jedenfalls relativ weit gefächert und die magische Gesamtstimmung des Albums wird noch durch die zurückhaltende, eher basisch-einfache Produktion verstärkt, welche die Band authentisch und ohne Schnickschnack eingefangen hat.

Solche simpel-effektiven Klangzeugnisse vermißt man in der heutigen Rockmusik mit ihren überladenen, überfetteten Powerproduktionen häufig.

Ein nicht geringer Teil der Songs auf "Give ´em hell" wurde bereits in den Siebziger Jahren von der Band geschrieben, was ja in der NWOBHM mit ihren häufig bzw. im Regelfall in den Seventies gestarteten Bands nichts ungewöhnliches war (siehe die erste Saxon, die ersten beiden Iron Maiden-Scheiben, das Tygers Of Pan Tang-Debüt und und und....).

Vor etwa 2 Jahren veröffentlichten Witchfynde das wirklich hochinteressante "Lost Tapes"-Album, welches die unbearbeiteten Originalaufnahmen zweier Demos aus den Jahren 1975 und 1977 enthält, also aus der absoluten Frühphase der Band. Die hatte Bassist Andro Coulton beim Aufräumen seines Kellers gefunden und sie wurden somit als "Lost Tapes" nachträglich noch den interessierten Fans zugänglich gemacht.

Die Songs auf diesen Demos waren zum Großteil bereits die Embryonalversionen jener Tracks, die später auf "Give ´em hell" in ihren endgültigen Fassungen auftauchten. Sehr interessant nachzuvollziehen, wie sich die Stücke in diesen drei oder vier Jahren bis zur Aufnahme des Debütalbums entwickelt hatten, wo Dinge verändert worden waren, welche Arrangements umgestaltet oder beibehalten wurden und so weiter.

Eine echte kleine Schatzkiste, die "Lost Tapes", die ich an dieser Stelle jedem Witchfynde-Kenner oder NWOBHM-Afficionado ans Herz legen möchte. Der Sound ist natürlich dünn (mehr oder weniger Proberaumaufnahmen halt), aber trotzdem absolut anhörbar und es finden sich sogar ein paar versteckte Perlen, die aus welchen Gründen auch immer den Sprung aufs Debüt oder andere Alben der Band nicht geschafft haben: Das einzigartige "Grimoire" zum Beispiel, welches einen gleich zu Anfang komplett in seinen Bann und in die wundersame Witchfynde-Welt zieht.

Hier und dort wirkt auf den "Lost Tapes" natürlich auch noch manches etwas unfertig oder leicht holprig, ohne richtigen Schwung und insgesamt merkt man auch deutlich, dass die Songs ursprünglich noch einen zahmeren, verhalteneren 70er-Hardrock-Geist atmeten und erst im Laufe der Zeit allmählich kerniger oder heavier wurden. Die evolutionäre Entwicklung des "Give ´em hell"-Materials und der frühen Witchfynde generell ist dank der "Lost Tapes" jedenfalls hervorragend nachvollziehbar. Ein wunderbares, wertvolles Zeitdokument.

Das wollte ich an dieser Stelle nur mal dringend erwähnt haben, wenn ich schon eine Rezension zu einem meiner absoluten Lieblingsalben schreibe.

Was gibt es sonst noch zu erwähnen ? Vielleicht, dass Sänger Steve Bridges mich mit seinem Timbre des öfteren leicht an Phil Lynott erinnert (besonders fällt mir das immer beim Titeltrack und "Leaving Nadir" auf).

"Give ´em hell" ist einfach ein wunderbares, ur-britisches, verschroben-originelles und herrlich unkommerzielles musikalisches Zeitzeugnis der NWOBHM-Ära.

Ich finde es immer noch mehr als schade, dass Witchfynde nie den richtigen Durchbruch geschafft haben. Andererseits ist das vielleicht aber auch ganz gut, denn so sind uns auch mögliche spätere Totalausfälle von saturierten, selbstgefälligen Rockstars erspart geblieben.

Da muß ich doch bloß zu den erfolgsverwöhnten Kollegen von Iron Maiden rüberschielen, die in den letzten 20 Jahren bekanntlich mehrmals in die Kloschüssel gegriffen haben....das ist Witchfynde zum Glück nie passiert. :-)


Die Songs

1. Ready to Roll – 4:15
2. The Divine Victim – 5:03
3. Leaving Nadir – 6:12
4. Gettin’ Heavy – 3:52
5. Give ’em Hell – 4:03
6. Unto the ages of ages – 8:54
7. Pay now, love later – 3:33


Die Band


Steve Bridges (Gesang)
Andro Coulton (Bass)
Montalo (Gitarre)
Gra Scoresby (Schlagzeug)


Bild
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