wie sind umgezogen!!!!!!

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REZENSIONZappa, Frank - Hot Rats (1969)

Zappa, Frank - Hot Rats (1969)

Ungelesener Beitrag#1von Rincewind » 30. Dez 2015 00:07

Nach Zappas Rückkehr nach L.A. im Sommer '68 zog er samt Familie in ein Haus in Laurel Canyon, wo es ihn allerdings nicht
lang hielt und sie bezogen noch im selben Jahr ein Haus am Woodrow Wilson Drive, wo er bis zu seinem Tod leben sollte.
Trotz des Erfolges in Europa lief es finanziell nicht gut für die Mothers Of Invention. Die ersten Alben waren primär auf Texte
und Gesang ausgelegt, allerdings begann FZ immer mehr instrumentalen Jazz und klassisch orientierte Musik für die Konzerte
zu schreiben, was bei einige Fans zu Irritationen führte. Er hatte das Gefühl, die Konzertbesucher würden seine "elektrische
Kammermusik" nicht ausreichend zu schätzen wissen.
1969 war die Gruppe auf 9 Mitglieder angewachsen und Zappa finanzierte die Gruppe selbst, aus den Einnahmen seiner
Veröffentlichungen und Songrechte, egal ob die Band gerade spielte oder nicht. Im selben Jahr hatte er zudem genug von
MGM und verließ das Label in Richung Reprise Records, welches zum Warner-Konzert gehörte. Ende des Jahres lösste Zappa
dann die Band auf. Er verwies häufig auf den finanziellen Aspekt, allerdings nannte er auch immer wieder das unzureichende
musikalische Engagement seiner Musiker als Grund für den Bruch. Die Bandmitglieder waren größtenteils verbittert über die
Entscheidung und unterstellten Zappa, er würde für seinen Hang zur Perfektion Menschlichkeit auf der Strecke lassen. Auch
seine Diktatorstellung in der Band war vielen ein Dorn im Auge und das FZ regelmäßig in einem anderen Hotel als der Rest
der Band übernachtete war nur eines der Beispiele dafür. Interessanterweise spielte einige Mothers auch später noch für Zappa.
Die letzten Veröffentlichungen der Zeit waren Weasels Ripped My Flesh und Burnt Weeny Sandwich von 1970. Das letzte Konzert
der Band fand am 18. August 1969 statt.

Im April 1969 waren die Mothers of Invention beim Boston Globe Jazz Festival aufgetreten und Zappa hatte dabei den Jazz-
Saxophonisten Rahsaan Roland Kirk eingeladen, mit der Band zu spielen. Der Auftritt war ein großer Erfolg. Die Proben für das
dadurch inspirierte Hot Rats begannen im Sommer in Zappas Keller. Zunächst waren Roy
Estrada und Ian Underwood mit von der Partie, wobei Estrada nicht an den entscheidenden Aufnahmen beteiligt war. Als nächstes
stießen Bassist Max Bennett, die beiden Schlagzeuger Paul Humprey (Wes Montgomery) und John Guerin (Quincy Jones, Lumpy Gravy)
hinzu. Als Bandleader holte sich FZ noch Johnny Otis ins Boot, welchen er von der Schulzeit in Lancaster kannte. Er schätzte das
Gespür von Johnny im Bereich R'n'B sehr. Otis brachte seinen Sohn Shuggie mit ins Studio, welcher den Bass für Peaches en Regalia
einspielen sollte und ermöglichte den Kontakt zu Don „Sugarcane“ Harris. Frank war ein großer Fan der Nummer Leavin' It All Up to You,
welche Haris eingespielt hatte. Sugarcane war zu der Zeit gerade wegen eines Drogendelikts im Gefängnis und so stellte FZ die
Kaution holte den Jazzviolinisten zu den Aufnahmen. Der Produzent Richard Bock, dem Zappa Aufnahmen von Hot Rats vorgespielt
hatte, vermittelte den Kontakt zu dem Jazz-Violinisten Jean-Luc Ponty, der schließlich auf It Must Be a Camel einen kurzen Part
beisteuerte. Dies lieferte den Anstoß für die spätere Zusammenarbeit, die sich vor allem im 1970 veröffentlichten Album King Kong:
Jean-Luc Ponty Plays the Music of Frank Zappa manifestierte.

Die Wurzeln von Hot Rats reichen weit zurück. So finden sich auf dem Album Teile der Filmmusik zu The World Greatest Sinner von
Timothy Carey, die Zappa in den frühen 1960er Jahren komponiert hatte und die am 17. Dezember 1961 vom 52-köpfigen College-
Orchester Pamona Valley Symphony Orchestra eingespielt worden war.
Peaches en Regalia wirkt wie eine parodistische Overtüre, welche durch die Mehrspur-Tonbandtechnik einen Jazz-Einschlag erhält und
wurde zu einem der zeitlosesten Stücke in der Zappa-Sammlung. Bei Willie The Pimp gibts das einzige mal Gesang und da kommt
dann gleich der Captain zum Einsatz und erzäht die Zuhälter-Story. So entsteht ein ausufernder Blues-Song. Son Of Mr. Green Genes
greift auf Mr. Green Genes von Uncle Meat zurück, wodurch eine Basis für Improvisation geschaffen wird. Little Umbrellas ist dann
mal ein stark durchkomponiertes Stück, bei dem alles vorgegeben wird und wirkt wie ein typischer Jazz-Song. Bei The Bumbo
Variations bilden Gitarre und Bass die Grundlage für ausufernde Improvisationen und ist zudem recht funky. It Must Be A Camel ist
wie schon Little Umbrellas klar vorgezeichnet und strukturiert.

Aufgenommen wurde zwischen Juli und August '69 im T.T.G. (L.A.), Sunset Sound (L.A.) und Whitney Studios in Glendale. In
letzterem befand sich auch die Pfeifenorgel, welche Ian Underwood spielte und in der Besetzungsliste als Organus Maximus bezeichnet
wurde. Es gilt als eines der ersten mit einem 16-Spur-Gerät augenommenen wurde. Dadurch wurden nachträgliche Overdubs erleichtert,
da man nun mehrspurige Aufnahmen leichter zu bewerkstelligen waren. Beispielsweise konnte FZ so komplex arrangierte Bläsersätze
konstruieren, welche allein von Ian Underwood eingespielt wurden. Zappa bezeichnete diese technischen Möglichkeiten sogar als
Hauptanreiz und Essenz des Albums.

Bild

Das Album erschien am 15. Oktober 1969, wobei der Titel auf eine Textzeile des Stücks Willie the Pimp zurückzuführen ist. Die
Gestaltung des Artworks übernahm Cal Schenkel und das Cover-Photo wurde von Andee Cohen Nathanson mit Hilfe von Infrarot-
Technik geschossen und spiegelt mal wieder Zappas Geschmack und Humor wieder. Die Dame ist übrigens Miss Christen von den
GTOs, Zappas Girl-Band ;)

Wie für viele andere ist es auch für mich ein Meisterwerk, wobei ich den häufig gezogenen Vergleich oder die Tatsache ob es nun
wichtiger war als Bitches Brew nicht wirklich beurteilen kann. Muss ja auch nicht sein, sind schließlich beides verdammt heiße
Scheiben ;)


Band

Frank Zappa – electric guitar, percussion, octave bass
Ian Underwood – organ, clarinet, flute, piano, saxophone

Max Bennett – bass on all tracks except "Peaches en Regalia"
Captain Beefheart – vocals on "Willie the Pimp"
John Guerin – drums on "Willie the Pimp", "Little Umbrellas" and "It Must Be a Camel"
Don "Sugarcane" Harris – violin on "Willie the Pimp" and "The Gumbo Variations"
Paul Humphrey – drums on "Son of Mr. Green Genes" and "The Gumbo Variations"
Shuggie Otis – bass on "Peaches en Regalia"
Jean-Luc Ponty – violin on "It Must Be a Camel"
Ron Selico – drums on "Peaches en Regalia"
Lowell George - guitar (uncredited)
Harvey Shantz – Snorks


Musik

Side One
1. "Peaches en Regalia" 3:38
2. "Willie the Pimp" 9:25
3. "Son of Mr. Green Genes" 8:58

Side Two
No. Title Length
4. "Little Umbrellas" 3:09
5. "The Gumbo Variations" 12:55
6. "It Must Be a Camel" 5:15

Total length: 43:05

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Re: Frank Zappa - Hot Rats (1969)

Ungelesener Beitrag#2von ORACLE » 2. Jan 2016 01:01

Das ist wie man so sagt ein Inselalbum für mich.
Bestimmt habe ich es schon über 100 mal gehört.
Es nutzt sich einfach nicht ab.
Fast 20 Jahre hab ich die von Frank gemixte CD-Version aus den 80ern gehört.
Erst vor ein paar Jahre kam der ursprüngliche Mix auf CD raus.
Soundmässig differiert der 80-Mix sehr, besonders bei Peaches en Regalia.
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Re: Frank Zappa - Hot Rats (1969)

Ungelesener Beitrag#3von AusDemWegIchBinArzt » 2. Jan 2016 02:04

Ich würde durchaus sagen, dass es von allen Zappa-Werken mein Liebstes ist. Zappa ist bei mir immer etwas zweigeteilt gewesen. Es gibt Sachen die ich großartig finde, wie eben "Hot rats", während mir andere seiner unzähligen Veröffentlichungen überhaupt nicht liegen. So oder so aber definitiv ein vielseitiger und wichtiger Künstler, der garantiert nie langweilig wurde.
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Re: Frank Zappa - Hot Rats (1969)

Ungelesener Beitrag#4von Rincewind » 3. Jan 2016 15:54

Es mag die ein oder andere "weniger" gute Veröffentlichung bei Herrn Zappa geben und gegeben haben.
Ich persönlich kann sogar mit Thing Fish was anfangen und irgendwann werd ich mir auch Civilization
Phase III mal am Stück reinziehen und mir die LPs besorgen.

Trotzdem, seine angejazzte Phase ist schon sehr stark gewesen und was dann noch so bis Ende der
70er an rockigerem Material zustande kam bildet auch insgesamt den Kern meiner definitiv fanatischen
Liebe für den Mann.

Im Gegensatz zu Ponty bin ich noch heute am Suchen, was die Werke von Don "Sugarcane" Harris
angeht, da findet man nicht so viel und er hat auch, glaube ich, nicht so viel gemacht wie Jean-Luc.

Das mit den unterschiedlichen Mixereien ist für mich inzwischen schon sehr nervig, weil es mich
zu sehr interessiert rauszufinden, ob ich einen Unterschied höre und ob eine Version tatsächlich
besser ist. Andererseits glaube ich nicht, dass sich soo viel ändern würde, da der Erstkontakt
meist mehr Magie beinhaltet und so die erstgehörte Version eben meist vorneliegen würde.
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Re: Frank Zappa - Hot Rats (1969)

Ungelesener Beitrag#5von firebyrdNo2 » 4. Jan 2016 10:35

Rincewind hat geschrieben:Im Gegensatz zu Ponty bin ich noch heute am Suchen, was die Werke von Don "Sugarcane" Harris
angeht, da findet man nicht so viel und er hat auch, glaube ich, nicht so viel gemacht wie Jean-Luc.



Harris hat m.W. elf Platten veröffentlicht, darüber hinaus gibt es recht viele Ko-Operationen mit anderen Musikern, so auf Pure Food & Drug Act, mit John Mayall, als Mitspieler bei der fantastischen Platte des New Violin Summit, u.v.a.....

Auf der "Anthology Volume One" gibt es frühe Werke zusammengefasst, einige Scheiben gibt es noch oder wieder (BASF/MPS), ist aber noch nicht komplett..., ein Muss sind für mich die erste, gleichnamige Scheibe, aus 1970 und "Fiddler On The Rock"....

P.S.: HOT RATS ist scharf, richtig scharf, auch die ähnlichen "Nachfolger", "Waka/Jawaka" und "The Grand Wazoo"...
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Re: Frank Zappa - Hot Rats (1969)

Ungelesener Beitrag#6von Rincewind » 4. Jan 2016 22:07

Danke für die Tipps Firebyrd. Die ersten beiden, Got The Blues und Flashing Time konnte ich schon auftreiben, aber die Werke dazwischen fehlen mir noch.
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Re: Frank Zappa - Hot Rats (1969)

Ungelesener Beitrag#7von badger » 9. Jan 2016 14:34

Rincewind hat geschrieben:Wie für viele andere ist es auch für mich ein Meisterwerk, wobei ich den häufig gezogenen Vergleich oder die Tatsache ob es nun
wichtiger war als Bitches Brew nicht wirklich beurteilen kann. Muss ja auch nicht sein, sind schließlich beides verdammt heiße
Scheiben ;)


meine güte, da hast du dir aber wieder eine menge mühe gemacht und die hat ja auch ihre berechtigung:
WIEDER eine der vielen hervorragenden scheiben, die Frankie-Baby gemacht hat; selbst wenn man 'Wilie The Pimp'
mittlerweile (fast) ein bißchen zu oft gehört hat. ach quatsch, nicht zu oft, ich könnte es sofort wieder auflegen.

ich glaube, daß Zappa von 1966 - 1976 ü-ber-haupt nicht gewußt hat, wie man eine langweilige platte macht;
ich kann jedenfalls keine benennen.
erst danach fing er an, sich selbst zu wiederholen und karrikieren. aber selbst dabei machte er noch gute scheiben.
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