wie sind umgezogen!!!!!!

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REZENSIONZappa, Frank - Lumpy Gravy (1968)

Zappa, Frank - Lumpy Gravy (1968)

Ungelesener Beitrag#1von Rincewind » 22. Dez 2015 22:25

Während ich dies Zeile schreibe, trage ich zu allem Überfluss auch noch dieses Shirt:

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Das Konzept für Lumpy Gravy kam Ende '66 zustande, als der Produzent Nick Venet von
Capitol Records Zappa anbot, ein Album mit orchestraler Musik aufzunehmen. Zu der Zeit galt FZ als reiner Rock-Musiker. Der
Albumtitel geht, wie Zappa in einem Interview mit dem Magazin Melody Maker erzählte, auf einen Fernseh-Werbespot für eine
Instantsoße der Marke Aloma Linda Gravy Quick zurück.

Er versammelte ca. 40 der besten Session-Musiker, unter anderem den legendäre Gitarrist Tommy Tedesco, Victor Feldman am Vibraphon
und Drummer John Guerin. Sie nahmen zwischen Februar und März 1967 in den Capitol-Studios in Hollywoods auf. Zappa wird hier oft als
Dirigent genannt, jedoch übernahm diesen Part der Veteran Sid Sharp, unter der Aufsicht von Zappa. Er nannte die Truppe, passend zur
Musik Abnuceals Emuukha Electric Symphony Orchestra and Chorus.

Die Lange Verzögerung zwischen Aufnahme und Veröffentlichung wurde durch den bereits erwähnten Rechtsstreit zwischen MGM
und Capitol. Das Album war für Capitol gemacht worden und hatte ca. 22 Minuten Spielzeit, nur mit den Orchesteraufnahmen. MGM
hatte Zappe jedoch im Frühjahr '66 als Mitglied der Mothers Of Invention bei ihrer Untersparte Verve unter Vertrag genommen. FZ war der Meinung,
dieser Vertrag würde ihm erlauben, bei anderen Labels ebenfalls zu arbeiten, solanger nicht sang oder ein Instrument spielte. Das sahen
die Vertreter von MGM anders. Sie sahen die Aufnahmen aus den Capitol-Studios als ihr Eigentum und verklagten Capitl darauf hin, um
die Veröffentlichung zu stoppen. Bei einem Vergleich einigten man sich dann, mit der Konsequenz, das MGM/Verve das Album Capitol
abkaufte.

Während dieses Streits nutzte FZ die Gelegenheit um sein Material radikal abzuändern. Von '67 bis Anfang '68 lebte er in New York
und arbeitete in den Apostolic und Mayfair Studios um neue Musik und Dialoge für das nächst Mothers Album aufzunehmen. Die
Unterhaltungen entstanden zwischen Oktober und Dezember '67 unter Mitwirkung der Mothers und Freunden unter Zappas Aufsicht. Die
Gesprächsthemen wurden von ihm vorgeben und in einen geöffneten Steinway-Flügel gesprochen, bei welchem das Fortepedal
durch einen Sandsack beschwert worden war. Die dann gesprochenen Texte, die die ungedämpften Saiten des Flügels anregten,
wurden dabei aufgezeichnet. Einige Fetzen davon wurden nachträglich zu Konversation zusammengeschnitten.

Inhaltlich ging es um Schweine, Ponies, Trommeln und Autos, aber auch um Zappas Theorie der "großen Note".

Viele ungewöhnliche Geräusche wurden für die Verve-Version durch die manipulation von auf Tonbändern verursacht, indem man mit
der damals zeitgemäß besten Technik, einem 12-Spur-Rekorder aufnahm. Frank verbracht auch privat viel Zeit damit, manuell die Tapes
mit einer Rasierklinge und Tesafilm zurechtzuschneiden und neu zu arrangieren. Es wurden auch Teile, die nicht für das Capitol-Album
vorgesehen waren wieder eingefügt. Die neuen musikalischen Elemente kamen alle aus Zappas Sammlung an Live- und Studioaufnahmen.
Die komplett überarbeitete Verve-Version war nun bei ca. 31 Minuten, erschien 1968 und gilt als erstes Solo-Album des Meisters. Durch diese
Ereignisse gibt es davon einige verschiedene Releases, Infos dazu gibts hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Lumpy_Gravy

Gewisse Ähnlichkeiten zum Mothers Album We’re Only in It for the Money sind nicht von der Hand zu weißen. In der professionellen Kritik schnitt
Lumpy Gravy eher schlecht ab. Zappa-Biograph Barry Miles urteilte noch zurückhaltend: Es gilt als das experimentellste Album Zappas.
Rolling-Stone-Autor Jim Miller wurde schon deutlicher. Er hielt das musikalische Gefüge für überraschend konventionell und sogar langweilig, das
Album sei ein eigenwilliger musikalischer Faux Pas, der allein deshalb schon hörenswert ist. Der deutsche Rockjournalist Carl-Ludwig Reichert
bezeichnete Lumpy Gravy als ein höchst skurriles Instrumentalwerk.
Sein Kollege Volker Rebell sah einen schillernden Kosmos aus verschiedenartigsten Musikpartikeln und Fragmenten, bei dem man den Eindruck habe,
ein musikalischer Zettelkasten sei da ausgekippt worden. Für Rebell strahlte das Album eine klinisch sterile Kälte aus. Der Musikkritiker Ben Watson
verglich das Album mit Werken des Musique concrète-Komponisten Luc Ferrari.

Obwohl das Material sich für die Ohren gewöhnlicher Popmusikkonsumenten als schwer verdaulich erwies, kletterte Lumpy Gravy in den US- Charts
noch auf den 159. Platz. Mit dazu beigetragen haben dürfte der Erfolg des nur wenige Wochen zuvor erschienenen Mothers-Album We’re Only in It for the Money.


Ich finde es keineswegs langweilig, steril oder konventionell, aus meiner Sicht totaler Blödsinn :lol:
Zappa nannte es ja selbst mehr ein Erlebnis und stellte es neben dem kompletten Joe's Garage sogar als eines seiner größten Werke dar.
OK, ist wie üblich nicht möglich bei der Auswahl das so einzugrenzen, aber es ist defnitiv ein tolles Gesamtkunstwerk aus Klassik, Jazz, Freak-Beat,
Rock und Hörspiel und zeigt sehr schön die Vielschichtigkeit dieses Ausnahmemusikers. Ist auch eins meiner liebsten Werke, weil ich es immer spielen
kann, egal zu welcher Tageszeit, in welcher Stimmung, einfach immer ein Genuß :D


The Abnuceals Emuukha Electric Symphony Orchestra & Chorus

Dirigent: Sid Sharp
Klavier, Celesta, Harpsichord: Paul Smith, Mike Lang, Lincoln Mayorga, Pete Jolly.
Schlagzeug: Johnny Guerin, Frankie Capp, Shelly Manne.
Perkussion: Emil Richards, Gene Estes, Alan Estes, Victor Feldman, Kenneth Watson, Thomas Poole.
Holzblasinstrumente: Ted Nash, Jules Jacob, John Rotella, Bunk Gardner, Don Christlieb, Gene Cipriano.
French Horn: Arthur Maebe, Vincent De Rosa, Richard Perissi, Arthur E. Briegleb, David A. Duke, George F. Price.
Trompete: Jimmy Zito.
Posaune: Kenneth Shroyer, Lew McCreary.
Gitarre: Jim Haynes, Tommy Tedesco, Tony Rizzi, Al Viola, Dennis Budimir.
Bass: Bob West, John Balkin, Jimmy Bond, Lyle Ritz, Chuck Berghofer.
Geige: Sid Sharp, Alexander Koltun, Tibor Zelig, Ralph Schaeffer, Bernard Kundell, William Kurasch, James Getzoff, Arnold Belnick, Leonard Malarsky, Harold Ayres, Jerome J. Reisler.
Bratsche: Phillip Goldberg, Leonard Selic, Harry Hyams, Joseph DiFiore.
Cello: Jerome A. Kessler, Raymond J. Kelley, Joseph Saxon, Jesse Ehrlich, Harold G. Bemko.
Chor: Louie Cuneo, Ronnie Williams, Dick Barber, Roy Estrada, Spider Barbour, Jim „Motorhead“ Sherwood, Gilly
Townley, Maxine, Becky, John Kilgore, John Townley, Cal Schenkel, Gail Zappa, Larry Fanoga, Monica Boscia, Jimmy
Carl Black, Sammy Whiteside, Harold Kelling, Charlie Phillips, Bruce Hampton.

Produktion
Produzenten: Frank Zappa, Nick Venet
Toningenieure: Joe, Rex, Pete, Jim, Bob, Gary Kellgren, Dick Kunc
Cover-Design: Cal Schenkel


Das Erlebnis
Alle Kompositionen stammen von FZ

Part One

„The Way I See It, Barry“ (0:06)
„Duodenum“ (1:32)
„Oh No“ (2:03)
„Bit Of Nostalgia“ (1:35)
„It’s From Kansas“ (0:30)
„Bored Out 90 Over“ (0:31)
„Almost Chinese“ (0:25)
„Switching Girls“ (0:29)
„Oh No Again“ (1:13)
„At The Gas Station“ (2:41)
„Another Pickup“ (0:54)
„I Don’t Know If I Can Go Through This Again“ (3:49)

Part Two

„Very Distraughtening“ (1:33)
„White Ugliness“ (2:22)
„Amen“ (1:33)
„Just One More Time“ (0:58)
„A Vicious Circle“ (1:12)
„King Kong“ (0:43)
„Drums Are Too Noisy“ (0:58)
„Kangaroos“ (0:57)
„Envelops The Bath Tub“ (3:42)
„Take Your Clothes Off“ (1:53)


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“He’d always felt he had a right to exist as a wizard in the same way that you couldn’t do proper maths without the number 0, which wasn’t a number at all but, if it went away, would leave a lot of larger numbers looking bloody stupid.” ― Terry Pratchett
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